Golferarm: Ursachen beim Golfen, Vorbeugung und Training

Alexander Weber··12 Min Lesezeit
Älterer Golfer steht mit Eisen auf dem Fairway, im Hintergrund sein Trolley und Bunker

Viele Golfer kennen das Ziehen an der Innenseite des Ellenbogens nach dem Training oder ein Stechen, wenn sie das Bag anheben oder eine Flasche öffnen. Dann fällt schnell das Wort Golferarm, auch wenn der Name täuscht und längst nicht nur Golfer betroffen sind. In diesem Artikel erkläre ich dir, was hinter dem Golferarm steckt, warum er beim Golfen entstehen kann und was du selbst tun kannst. Eines vorweg: Ich bin Hobbygolfer und kann dir keine medizinische Diagnose geben, deshalb ersetzt dieser Artikel keine ärztliche Untersuchung.

Der Golferarm, auch Golferellenbogen genannt, ist eine schmerzhafte Reizung am Sehnenansatz der Unterarmmuskeln an der Innenseite des Ellenbogens. Beim Golfen entsteht er meist durch Überlastung, etwa durch einen zu festen Griff, viele harte Bodenkontakte oder zu viel Training nach einer Pause. Wenn die Schmerzen anhalten, solltest du ihn ärztlich abklären lassen.

Was ist ein Golferarm?

Am Ellenbogen setzen die Sehnen vieler Unterarmmuskeln an. An der Innenseite sind das vor allem die Muskeln, die das Handgelenk beugen und die Finger schließen, also genau die Muskeln, die du beim Greifen und beim Golfschwung stark nutzt. Wenn dieser Sehnenansatz immer wieder überlastet wird, kann er sich reizen, und genau das nennt man Golferarm oder Golferellenbogen.

Die Stelle, an der die Sehnenansätze sitzen, ist ein kleiner Knochenvorsprung, der Epicondylus. Medizinisch heißt der Golferarm deshalb Epicondylitis humeri ulnaris, kurz Epicondylitis ulnaris, oft auch Epicondylitis medialis oder Epikondylitis. Das Gegenstück an der Außenseite des Ellenbogens ist der Tennisarm.

Trotz des Namens bekommen die meisten Menschen einen Golferarm übrigens gar nicht vom Golfen. Häufiger sind Tätigkeiten mit viel Greifen und Drehen, etwa im Handwerk, im Garten oder bei langer Arbeit an Maus und Tastatur. Beim Golfen kommt es vor allem dann dazu, wenn mehrere Belastungen zusammenkommen.

Was ist der Unterschied zwischen Golferarm und Tennisarm?

Beide Beschwerden werden oft verwechselt, dabei ist der wichtigste Unterschied leicht zu merken. Er liegt in der Stelle, an der es weh tut. Die Tabelle zeigt dir die wichtigsten Merkmale im Vergleich.

Merkmal Golferarm Tennisarm
Schmerzort Innenseite des Ellenbogens Außenseite des Ellenbogens
Betroffene Muskeln Beuger von Handgelenk und Fingern Strecker von Handgelenk und Fingern
Typische Auslöser Greifen, Beugen des Handgelenks Strecken des Handgelenks, Anheben
Medizinischer Name Epicondylitis humeri ulnaris (medialis) Epicondylitis humeri radialis (lateralis)
Bei Golfern eher am Arm der hinteren Hand auch bei Golfern möglich, eher am Führarm

Auch Golfer bekommen nicht selten einen Tennisarm. Welcher Arm betroffen ist, hängt unter anderem davon ab, wie du greifst und wo im Schwung die größte Belastung entsteht.

Welche Symptome hat ein Golferarm?

Ellenbogenschmerzen beim Golferarm beginnen meist schleichend. Am Anfang ist es nur ein leichtes Ziehen nach dem Training, später tut es auch im Alltag weh. Typisch für einen Golferarm sind diese Beschwerden:

  • Schmerz an der Innenseite des Ellenbogens, der in den Unterarm ausstrahlen kann
  • Schmerz beim kräftigen Greifen, etwa beim Tragen einer Tasche oder beim Händeschütteln
  • Schmerz, wenn du das Handgelenk gegen Widerstand beugst
  • weniger Kraft in der Hand
  • Druckschmerz direkt am inneren Knochenvorsprung

Wenn Taubheit, Kribbeln in den Fingern oder starke Schwellungen dazukommen oder wenn der Schmerz nach einem Sturz oder Schlag auftritt, gehört das immer in ärztliche Hände.

Warum entsteht ein Golferarm?

Auch wenn oft von einer Entzündung gesprochen wird, handelt es sich nach heutigem Verständnis meist um eine Überlastungsreaktion des Gewebes am Sehnenansatz. Die Unterarmmuskulatur wird über lange Zeit stärker beansprucht, als sich Sehnen und Gewebe anpassen können. Das Risiko steigt bei vielen wiederholten Greif- und Drehbewegungen, im Beruf genauso wie im Sport. Häufig betroffen sind Menschen im mittleren Lebensalter, die viel greifen und heben. Hält die Überlastung lange an, kann der Golferarm chronisch werden, und andere Ursachen für Schmerzen am Ellenbogen, etwa Arthrose oder Nervenreizungen, sollte ein Arzt ausschließen.

Beim Golfschwung wirken im Treffmoment große Kräfte auf Hände, Handgelenke und Unterarme. Normalerweise verkraftet der Körper das gut, problematisch wird es erst, wenn diese Kräfte zu oft, zu stark oder zu ungünstig auftreten.

Der häufigste Auslöser ist ein zu fester Griff. Wenn du den Schläger sehr fest umklammerst, spannst du die Unterarmbeuger dauerhaft an, und über eine Runde oder einen Trainingstag summiert sich das enorm. Wie fest du greifen solltest, beschreibe ich dir beim richtigen Golfgriff.

Dazu kommen fette Schläge und harter Boden. Wenn du den Boden vor dem Ball triffst, wird der Schläger abrupt abgebremst. Dieser Ruck geht direkt in Handgelenk und Ellenbogen, und auf harten Böden oder dünnen Abschlagmatten ist das besonders spürbar.

Kennst du das, nach dem Winter direkt drei Körbe Bälle zu schlagen, und das an mehreren Tagen hintereinander? Genau so entstehen viele Überlastungen, weil sich Sehnen langsamer anpassen als Muskeln.

Auch die Technik und die Ausrüstung spielen mit. Ein Schwung, der stark aus den Armen und Händen kommt statt aus der Körperdrehung, belastet die Unterarme mehr, und ein starkes Abklappen der Handgelenke im Treffmoment kann ebenfalls eine Rolle spielen. Zu dünne Griffe verleiten dazu, fester zu greifen. Schwere, steife Stahlschäfte geben außerdem mehr Vibration an die Arme weiter als leichtere Graphitschäfte.

Wie kannst du einem Golferarm vorbeugen?

Die gute Nachricht ist, dass du viele Ursachen selbst beeinflussen kannst. Die folgenden Punkte helfen vielen Golfern bei der Vorbeugung, auch wenn sie keine Garantie sind.

Wärm dich vor jeder Runde auf, denn ein paar Minuten Armkreisen, lockeres Schwingen und einige Probeschwünge mit einem kurzen Eisen bereiten Muskeln und Sehnen auf die Belastung vor. Danach solltest du während der ganzen Runde auf deinen Griffdruck achten. Halte den Schläger nur so fest, wie es für die Kontrolle nötig ist. Viele Pros beschreiben das als einen Druck, bei dem man den Schläger gerade nicht verliert.

Wenn deine Griffe zu dünn für deine Hände sind, frag im Pro-Shop nach dickeren Griffen, weil das den Krafteinsatz beim Greifen reduziert. Nach einer Pause würde ich dir empfehlen, das Training dosiert zu steigern, also mit kleinen Ballmengen zu beginnen und mehr Pausen einzubauen. Lieber öfter kurz als selten lang.

Wenn möglich, schlag von Rasen statt von harten Matten. Wenn du doch auf Matten übst, hilft eine gute, gedämpfte Matte. Leichte Kräftigungsübungen für Handgelenk und Unterarm, etwa mit einem leichten Gewicht oder einem Gummiband, machen die Strukturen außerdem belastbarer. Die richtige Ausführung lässt du dir am besten von einem Physiotherapeuten zeigen.

Wenn du merkst, dass der Ellenbogen nach bestimmten Einheiten zwickt, lohnt es sich, das aufzuschreiben, also wie viele Bälle, auf welchem Untergrund und mit welchem Schläger. Oft erkennst du dann schnell, welche Belastung zu viel war. Für solche Notizen habe ich „Dein Golf Journal“ entwickelt.

Was tun, wenn der Golferarm schon da ist?

Wenn die Schmerzen schon da sind, ist der wichtigste Schritt, die auslösende Belastung zu reduzieren. Das bedeutet, dass du nicht einfach weiterspielen solltest, denn sonst kann aus einer kurzen Reizung ein langwieriges Problem werden.

Bei der Behandlung setzen Ärzte und Physiotherapeuten meist zuerst auf konservative Maßnahmen, also ohne Operation. Dazu gehören Schonung, Kühlen in der akuten Phase, Physiotherapie mit Dehn- und Kräftigungsübungen, manuelle Therapie und bei Bedarf eine Bandage oder Spange, die den Sehnenansatz entlastet. Bei hartnäckigen Beschwerden setzen manche Ärzte zusätzlich Verfahren wie die Stoßwellentherapie ein. Ziel ist immer, die Schmerzen zu lindern und die Belastbarkeit Schritt für Schritt zurückzugewinnen. Welche Maßnahmen bei dir sinnvoll sind, entscheidet aber dein Arzt.

Ein Golferarm braucht oft Geduld. Je nach Ausprägung kann es Wochen bis Monate dauern, bis die Beschwerden abklingen. Eine Operation ist nur selten nötig, nämlich dann, wenn über lange Zeit nichts anderes hilft.

Wenn die Schmerzen länger als ein paar Tage anhalten, stärker werden oder dich im Alltag einschränken, lass das von einem Arzt oder einer Ärztin abklären, am besten bei einem Facharzt für Orthopädie.

Kann man mit einem Golferarm Golf spielen?

Ob und wie viel du mit einem Golferarm spielen kannst, hängt von der Schwere der Beschwerden ab. Das solltest du mit deinem Arzt oder Physiotherapeuten besprechen. Wenn du nach Rücksprache wieder anfängst, helfen ein paar Anpassungen.

Fang kurz an, also mit Putten und Chippen. Diese Schläge belasten den Ellenbogen deutlich weniger als volle Schwünge. Gerade beim Wiedereinstieg schlägst du besser von Rasen als von Matten, um harte Stöße zu vermeiden. Ein halber Korb reicht am Anfang völlig, auch wenn es dich in den Fingern juckt. Wie reagiert dein Arm am nächsten Tag? Daran merkst du, ob du die Menge steigern kannst.

Konzentrier dich außerdem darauf, den Schwung aus der Drehung von Hüfte und Oberkörper zu erzeugen. Das entlastet Arme und Handgelenke, und dein lokaler Pro kann dir dabei helfen, Fehlbelastungen im Schwung zu erkennen. Welche Muskeln beim Golfen besonders gefordert sind und wie du sie kräftigst, habe ich in meinem Artikel Welche Muskeln werden beim Golfen trainiert? beschrieben.

Gerade beim Wiedereinstieg lohnt sich ein kleines Protokoll mit der Zahl der Bälle, den Schlägern und dem Gefühl im Arm danach. So kannst du die Belastung Schritt für Schritt steigern und musst nicht nach Gefühl spielen.

Welche Ausrüstung entlastet den Ellenbogen?

Auch deine Schläger können eine Rolle spielen, gerade wenn sie schon ein paar Jahre alt sind. In der Tabelle siehst du, was du prüfen kannst und warum.

Ausrüstung Worauf achten Warum
Griffe passende Stärke, nicht abgenutzt dünne oder glatte Griffe führen zu festerem Greifen
Schäfte eher Graphit statt Stahl Graphit dämpft Vibrationen besser
Schlägergewicht nicht zu schwer schwere Schläger belasten Unterarme stärker
Abschlagmatte gedämpft, nicht zu hart harte Matten verstärken den Stoß bei fetten Schlägen
Golfhandschuh passende Größe, guter Halt besserer Halt erlaubt lockereren Griff

Abgenutzte Griffe werden oft unterschätzt. Wenn sie glatt geworden sind, greifst du automatisch fester zu, ohne es zu merken. Wie du Griffe pflegst und wann ein Wechsel fällig ist, liest du in meinem Artikel Golfschläger reinigen.

Welche Fehler solltest du beim Golferarm vermeiden?

Viele Golfer ignorieren den Schmerz zu lange. Wenn du trotz Schmerzen weiter voll trainierst, verlängert das die Heilung oft erheblich. Früh zu reagieren ist hier der wichtigste Schritt.

Ein häufiger Fehler ist auch, nur zu pausieren und dann wieder voll einzusteigen. Nach einer Pause sind die Strukturen nicht automatisch belastbarer, deshalb sollte der Wiedereinstieg langsam erfolgen. Und wenn Griff, Technik oder Ausrüstung den Golferarm begünstigt haben, kommt er nach der Pause schnell zurück. Prüf deshalb auch, was ihn ausgelöst hat, statt nur am Ellenbogen anzusetzen. Ein Blick auf deinen gesamten Ablauf hilft meist mehr als eine Bandage allein.

Außerdem ist nicht jeder Schmerz am Ellenbogen ein Golferarm. Andere Ursachen sind möglich und sollten ärztlich ausgeschlossen werden, bevor du dich selbst behandelst.

Wie Golf insgesamt bei den Verletzungsrisiken dasteht, habe ich in meinem Artikel Wie gefährlich ist Golfen? zusammengefasst.

Wenn du dir nach jeder Einheit kurz notierst, wie sich dein Arm anfühlt, erkennst du ein Wiederaufflammen deutlich früher.

Häufig gestellte Fragen zum Golferarm

Was ist der Unterschied zwischen Golferarm und Tennisarm?

Beim Golferarm schmerzt die Innenseite des Ellenbogens, betroffen sind die Beugemuskeln des Unterarms. Beim Tennisarm schmerzt die Außenseite, betroffen sind die Streckmuskeln. Beide entstehen durch Überlastung und können bei Golfern wie bei Tennisspielern auftreten.

Wie lange dauert ein Golferarm?

Das ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Leichte Reizungen klingen manchmal nach einigen Wochen ab, hartnäckige Fälle können mehrere Monate dauern. Wichtig ist, die auslösende Belastung früh zu reduzieren und die Behandlung mit einem Arzt oder Physiotherapeuten abzustimmen.

Kann ich mit Golferarm Golf spielen?

Das solltest du mit deinem Arzt oder Physiotherapeuten klären. Wenn Golfen wieder möglich ist, hilft ein langsamer Einstieg mit Putten und Chippen, kleinen Ballmengen, Schlägen von Rasen statt Matte und einem lockeren Griff. Bei zunehmenden Schmerzen solltest du pausieren.

Wie kann ich einem Golferarm vorbeugen?

Du kannst vorbeugen, indem du dich vor jeder Runde aufwärmst, locker greifst, passende Griffstärken spielst, dein Training dosiert steigerst und deine Unterarme kräftigst. Auch Graphitschäfte und gut gedämpfte Matten können die Belastung für den Ellenbogen verringern.

Fazit

Der Golferarm ist eine Überlastungsreizung an der Innenseite des Ellenbogens. Beim Golfen begünstigen ihn vor allem ein zu fester Griff, harte Bodenkontakte, eine ungünstige Technik und zu viel Training nach einer Pause.

Vieles davon kannst du selbst beeinflussen, indem du dich aufwärmst, locker greifst, Griffe und Schäfte prüfst und das Training dosiert steigerst. Wenn die Schmerzen trotzdem kommen oder bleiben, gehört dein Ellenbogen in ärztliche Hände.

Ich würde dir empfehlen, erste Warnsignale ernst zu nehmen und die Ursache im Training und in der Technik zu suchen. Lass dir von deinem lokalen Pro zeigen, wie du den Schwung mehr aus dem Körper heraus spielst.

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Alexander Weber
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Alexander Weber

Golfer aus Leidenschaft und Autor von Golfforscher. Schreibt über Schwung, kurzes Spiel, Ausrüstung und Regeln - einfach und verständlich, ohne Fachchinesisch.

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