Slope Rating und Course Rating: Was die Zahlen bedeuten

Alexander Weber··9 Min Lesezeit
Holzschild am Golfplatz mit Course Rating und Slope Rating für verschiedene Abschläge, dahinter Fairway und Teich
Werbehinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links, gekennzeichnet mit „Anzeige“ oder einem Sternchen (*). Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht, und die Empfehlungen bleiben unabhängig.

Auf jeder Scorekarte stehen neben der Abschlagfarbe zwei Zahlen, etwa „72,4“ und „128“. Die meisten Golfer schauen kurz drauf und spielen los. Dabei bestimmt genau dieses Zahlenpaar, wie viele Schläge du auf diesem Platz vorgegeben bekommst. Das eine ist das Course Rating, das andere das Slope Rating. In diesem Artikel erkläre ich dir, was beide Werte bedeuten, wie sie ermittelt werden und wie du daraus dein Course Handicap ausrechnest.

Das Course Rating gibt an, wie viele Schläge ein Scratch-Golfer mit Handicap 0 auf einem Platz unter normalen Bedingungen im Schnitt braucht, zum Beispiel 72,4. Das Slope Rating zeigt, wie viel schwerer der Platz für einen Bogey-Golfer im Vergleich zum Scratch-Golfer ist, auf einer Skala von 55 bis 155 mit 113 als Durchschnitt. Je höher der Slope, desto mehr Vorgabeschläge bekommst du. Zusammen mit deinem Handicap-Index ergeben beide Werte dein Course Handicap.

Course Rating und Slope auf einen Blick:

  • Course Rating (CR): erwartete Schlagzahl eines Scratch-Golfers, meist nah am Par
  • Slope Rating: relative Schwierigkeit für den Bogey-Golfer, 55 bis 155, Normwert 113
  • Bogey Rating: erwartete Schlagzahl eines Bogey-Golfers, Grundlage für den Slope
  • Je Abschlag: jede Abschlagfarbe hat eigene Werte, getrennt für Damen und Herren
  • Course Handicap: Handicap-Index × (Slope / 113) + (Course Rating − Par)
  • Wo zu finden: Scorekarte, Aushang am ersten Abschlag, Golf-App

Was ist das Course Rating?

Das Course Rating beschreibt, wie viele Schläge ein Scratch-Golfer, also ein Spieler mit Handicap 0, auf dem Platz unter normalen Bedingungen im Schnitt braucht. Es wird mit einer Nachkommastelle angegeben und liegt meist nah am Par, zum Beispiel bei 72,4 auf einem Par-72-Platz.

Das bedeutet, dass das Course Rating vor allem zeigt, wie schwer ein Platz für einen sehr guten Spieler ist. Ein enges Fairway mit tiefem Rough macht für einen Scratch-Golfer, der selten danebenschlägt, nicht so viel aus. Für Golfer mit höherem Handicap sieht das ganz anders aus, und genau dafür gibt es die zweite Zahl.

Was ist das Slope Rating?

Das Slope Rating zeigt, wie viel schwerer ein Platz für einen Bogey-Golfer im Vergleich zum Scratch-Golfer ist. Grundlage ist das Bogey Rating, also die erwartete Schlagzahl eines Golfers mit etwa Handicap 20 bei Herren und 24 bei Damen. Je größer der Abstand zwischen Bogey Rating und Course Rating ist, desto höher fällt der Slope aus.

Die Skala reicht von 55 bis 155, und der Normwert für einen durchschnittlich schweren Platz ist 113. Wenn der Wert höher liegt, wird der Platz für Golfer mit höherem Handicap überproportional schwerer. Enge Fairways, viel Wasser, tiefes Rough und schnelle Grüns treiben den Slope nach oben, weil sie vor allem Spieler bestrafen, die öfter danebenschlagen.

Slope Rating Einschätzung
unter 113 eher leicht für Durchschnittsgolfer
113 Normwert, durchschnittliche Schwierigkeit
etwa 120 bis 130 spürbar schwerer als der Durchschnitt
etwa 130 bis 140 schwer, viele Hindernisse oder enge Bahnen
über 140 sehr schwer, oft Championship-Plätze von hinten

Die Einschätzung ist als Orientierung gedacht. Viele Plätze in Deutschland liegen von den gelben und roten Abschlägen irgendwo zwischen 120 und 135.

Wie beeinflussen Course Rating und Slope dein Handicap?

Dein Handicap-Index beschreibt deine Spielstärke unabhängig vom Platz. Wie viele Schläge du auf einem bestimmten Platz bekommst, ergibt sich erst aus Course Rating und Slope. Das ist dein Course Handicap, und die Formel dafür lautet:

Course Handicap = Handicap-Index × (Slope Rating / 113) + (Course Rating − Par)

Ein Rechenbeispiel macht das greifbarer. Nehmen wir an, du hast einen Handicap-Index von 18,4 und spielst einen Par-72-Platz mit Course Rating 72,4 und Slope 128. Dann rechnest du zuerst 18,4 × (128 / 113) und kommst auf 20,8. Course Rating minus Par ergibt 0,4, und zusammen sind das 21,2, also gerundet 21 Vorgabeschläge.

Auf einem leichteren Platz mit Slope 110 und sonst gleichen Werten wären es nur etwa 18 Schläge. Im Club stehen die Werte meist schon umgerechnet in einer Tabelle am ersten Abschlag oder in der App. Wie aus deinen Runden überhaupt dein Handicap-Index entsteht, erkläre ich ausführlich in meinem Artikel Handicap berechnen.

Spannend wird es, wenn du deine Ergebnisse auf verschiedenen Plätzen vergleichst. Hast du schon einmal auf einem fremden Platz gefühlt richtig schlecht gespielt? Oft war das Ergebnis im Verhältnis zur Schwierigkeit völlig in Ordnung, weil der Slope dort einfach deutlich höher lag. Wenn du deine Runden mit Platz, Abschlag und Slope notierst, siehst du solche Zusammenhänge sofort. Ich habe „Dein Golf Journal“ unter anderem für genau solche Notizen gemacht.

Deine Spielvorgabe für einen bestimmten Platz kannst du mit dem folgenden Rechner selbst ausrechnen. Die Werte für Course Rating, Slope und Par findest du auf der Scorekarte oder in der Vorgabentabelle des Clubs.

Wie werden Course Rating und Slope ermittelt?

Die Werte werden nicht geschätzt. Ausgebildete Course Rater ermitteln sie nach einem international einheitlichen Verfahren, und dabei fließen unter anderem diese Punkte ein:

  • Länge des Platzes von der jeweiligen Abschlagfarbe
  • Breite der Fairways und Landezonen
  • Lage von Bunkern, Wasser und Aus
  • Rough, Bäume und Hindernisse rund ums Grün
  • Größe, Form und Schnelligkeit der Grüns
  • Höhenunterschiede, Doglegs und psychologische Faktoren

Deshalb hat jede Abschlagfarbe eigene Werte, getrennt für Damen und Herren. Ein Platz kann von den vorderen Abschlägen einen ganz anderen Slope haben als von den hinteren. In Deutschland organisiert der Deutsche Golf Verband das Course Rating im Rahmen des World Handicap Systems. So bedeutet ein Slope von 125 in Bayern ungefähr dasselbe wie an der Ostsee oder in Spanien.

Wo findest du die Werte?

Wenn du Course Rating und Slope suchst, schau zuerst auf die Scorekarte. Dort stehen sie meist direkt neben der Abschlagfarbe. Außerdem hängt am ersten Abschlag in der Regel eine Tafel mit der Umrechnungstabelle für das Course Handicap. Du kannst die Werte auch in der DGV-App über golf.de und in vielen anderen Golf-Apps nachschauen, wo dein Course Handicap gleich automatisch angezeigt wird.

Wie die App des DGV funktioniert, liest du in meinem Artikel zum golf.de Login.

Häufige Missverständnisse

Viele Golfer denken, dass ein hohes Course Rating einen schweren Platz für alle bedeutet. Das Course Rating sagt aber nur etwas über die Schwierigkeit für sehr gute Golfer. Für Hobbygolfer ist der Slope oft aussagekräftiger, und der ist auch nicht für alle Abschläge gleich, weil jede Abschlagfarbe eigene Werte hat. Genauso wenig sind Course Rating und Par dasselbe. Das Par ist eine feste Zahl pro Loch, das Course Rating eine gemessene Schwierigkeit.

Ein weiteres Missverständnis betrifft die 113. Ist ein Platz mit Slope 113 also leicht? Nein, das ist einfach der Durchschnitt.

Manche Golfer meiden auch Plätze mit hohem Slope, wenn sie handicaprelevant spielen wollen. Das ist aus meiner Sicht unnötig. Weil du dort mehr Vorgabeschläge bekommst, ist das Ergebnis fair, und ein guter Score auf einem schweren Platz wirkt sich genauso aus wie auf einem leichten.

Welchen Abschlag solltest du wählen?

Der Slope hilft dir auch bei der Wahl des Abschlags. Wenn du von einem Abschlag mit deutlich höherem Slope spielst, bekommst du zwar mehr Vorgabeschläge, aber die Runde wird länger und anstrengender. Für die meisten Hobbygolfer ist der Abschlag die richtige Wahl, von dem sie das Grün auf Par-4-Löchern mit einem guten zweiten Schlag erreichen können. Wie du deine Runde insgesamt klug planst, erkläre ich in meinem Artikel über Course Management.

Du solltest ruhig einmal verschiedene Abschläge ausprobieren und darauf achten, wie sich Ergebnis und Spaß verändern. Oft zeigt sich, dass ein kürzerer Abschlag zu besseren Scores und mehr Freude führt.

Häufig gestellte Fragen zu Slope und Course Rating

Was ist ein guter Slope-Wert?

Einen „guten“ Slope gibt es nicht. 113 ist der Durchschnitt. Werte darunter stehen für Plätze, die für Durchschnittsgolfer eher leicht sind, Werte darüber für Plätze, die für sie überproportional schwer sind.

Ist ein Slope von 130 schwer?

Ja, ein Slope von 130 liegt deutlich über dem Normwert von 113. Der Platz ist für Golfer mit höherem Handicap spürbar schwerer als ein Durchschnittsplatz, dafür bekommst du dort auch mehr Vorgabeschläge.

Was bedeutet ein Slope von 120?

Ein Slope von 120 bedeutet, dass der Platz für einen Bogey-Golfer etwas schwerer ist als ein Durchschnittsplatz mit 113. Mit Handicap-Index 20 bekommst du dort etwa ein bis zwei Schläge mehr als auf einem Platz mit Slope 113, abhängig vom Course Rating.

Was ist der Unterschied zwischen Course Rating und Par?

Das Par ist die festgelegte Schlagzahl für jedes Loch, die ein sehr guter Spieler im Normalfall braucht. Das Course Rating ist eine gemessene Schwierigkeit des ganzen Platzes für einen Scratch-Golfer und kann deshalb vom Par abweichen, etwa 71,3 auf einem Par-72-Platz.

Wer legt das Course Rating fest?

Ausgebildete Course Rater bewerten jeden Platz nach einem international einheitlichen Verfahren. In Deutschland organisiert das der Deutsche Golf Verband. Plätze werden in regelmäßigen Abständen neu bewertet, besonders nach Umbauten.

Fazit

Course Rating und Slope sind das Herzstück der Handicap-Berechnung. Das Course Rating beschreibt die Schwierigkeit für sehr gute Golfer, der Slope zeigt, wie viel schwerer es für Durchschnittsgolfer wird. Zusammen mit deinem Handicap-Index ergeben sie dein Course Handicap und damit die Zahl der Schläge, die dir auf einem bestimmten Platz zustehen.

Ich würde dir empfehlen, vor jeder Runde kurz auf Course Rating und Slope deines Abschlags zu schauen und dein Course Handicap einmal selbst auszurechnen. Und wenn du unsicher bist, welcher Abschlag zu deinem Spiel passt, frag deinen lokalen Pro.

Affiliate-Links: Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du ueber diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis fuer dich aendert sich dadurch nicht. Ich empfehle nur Produkte und Dienste, die ich selbst nutze oder fuer vertrauenswuerdig halte. Weitere Infos in der Datenschutzerklaerung.
Alexander Weber
Geschrieben von

Alexander Weber

Golfer aus Leidenschaft und Autor von Golfforscher. Schreibt über Schwung, kurzes Spiel, Ausrüstung und Regeln - einfach und verständlich, ohne Fachchinesisch.

Kommentare

Lade Kommentare …

Kommentar schreiben

Keine E-Mail nötig, keine IP-Speicherung. Kommentare werden vor dem Erscheinen geprüft.