Viele Golfer kennen ihr Handicap, aber kaum jemand weiß genau, wie es eigentlich zustande kommt. Nach einer guten Runde fragst du dich vielleicht, warum es nur um ein paar Zehntel runtergeht, und nach einer schlechten, warum es sich kaum bewegt. Das liegt an ein paar Formeln des World Handicap Systems, die auf den ersten Blick komplizierter wirken, als sie sind. In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie dein Handicap berechnet wird, mit Rechenbeispielen und einem Rechner für dein Course Handicap.
Dein Handicap-Index ist der Durchschnitt der besten 8 deiner letzten 20 handicaprelevanten Ergebnisse. Jedes Ergebnis wird dafür vorher in ein Score Differential umgerechnet, das die Schwierigkeit des Platzes über Course Rating und Slope berücksichtigt. Vor jeder Runde ergibt sich daraus dein Course Handicap für den jeweiligen Platz.
Handicap berechnen auf einen Blick:
- System: World Handicap System (WHS), in Deutschland seit 2021
- Handicap-Index: Durchschnitt der besten 8 aus den letzten 20 Score Differentials
- Score Differential: (113 / Slope) × (bereinigtes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC)
- Course Handicap: Handicap-Index × (Slope / 113) + (Course Rating − Par)
- Höchstes Handicap: 54, in Deutschland kann sich ein Handicap oberhalb von 26,5 nur verbessern
Was ist das World Handicap System?
Das World Handicap System, kurz WHS, ist ein weltweit einheitliches System zur Berechnung von Handicaps. Entwickelt wurde es von der R&A, die aus dem Umfeld des Royal and Ancient Golf Club of St Andrews stammt, und der United States Golf Association, gemeinsam mit weiteren Verbänden wie der European Golf Association. In Deutschland gilt es seit 2021. Vorher hatte fast jeder große Golfverband sein eigenes System, und wenn du dein Handicap mit dem eines Golfers aus England oder den USA vergleichen wolltest, war das ziemlich schwierig.
Die Idee dahinter ist, dass dein Handicap deine Spielstärke abbilden soll. Es zeigt also, was du an einem guten Tag spielen kannst, und nicht den Durchschnitt aller Runden. Deshalb zählen nur die besten acht aus den letzten zwanzig Ergebnissen. Weil Plätze außerdem unterschiedlich schwer sind, wird jedes Ergebnis vorher auf einen einheitlichen Maßstab umgerechnet.
Was das Handicap allgemein bedeutet und wie du es verbesserst, habe ich in meinem Ratgeber zum Golf-Handicap erklärt. Hier geht es nur um die Berechnung selbst.
Was bedeuten Course Rating und Slope?
Bevor du ein Handicap berechnen kannst, brauchst du zwei Werte des Platzes. Du findest sie in der Regel auf der Scorekarte oder an einer Tafel im Clubhaus.
Das Course Rating gibt an, wie viele Schläge ein Spieler mit Handicap 0 auf diesem Platz und von diesem Abschlag im Schnitt braucht. Ein Course Rating von 71,2 bedeutet also, dass ein sehr guter Spieler hier etwa 71 Schläge benötigt.
Das Slope Rating beschreibt, wie viel schwerer der Platz für einen Durchschnittsgolfer im Vergleich zu diesem sehr guten Spieler ist. Der Normwert ist 113, und die Werte reichen von 55 bis 155. Wenn du auf einem Platz mit Slope 135 spielst, ist er für Hobbygolfer überdurchschnittlich schwer.
Beide Werte hängen vom Abschlag ab. Von den hinteren Abschlägen sind sie meist höher als von den vorderen, und für Damen und Herren gibt es eigene Werte.
Schritt 1: Das bereinigte Bruttoergebnis (Net Double Bogey)
Bevor dein Ergebnis in die Berechnung geht, wird es bereinigt. Ein einzelnes katastrophales Loch soll dein Handicap nicht übermäßig verfälschen, deshalb gibt es eine Obergrenze pro Loch. Diese Grenze heißt Net Double Bogey.
Sie setzt sich aus dem Par des Lochs, zwei zusätzlichen Schlägen und den Vorgabeschlägen zusammen, die du an diesem Loch bekommst. Alles, was darüber liegt, wird für die Handicap-Berechnung auf diesen Wert gekürzt. Wenn du zum Beispiel ein Par 4 spielst und dort einen Vorgabeschlag bekommst, liegt dein Höchstwert bei 4 + 2 + 1 = 7 Schlägen. Brauchst du 9 Schläge, werden für das Handicap trotzdem nur 7 gewertet.
Wenn du nach Stableford spielst, ist das automatisch eingebaut, weil du bei diesem Ergebnis ohnehin null Punkte bekommst. Dabei ist es egal, wie viele Schläge es am Ende wurden. Wie die Stableford-Wertung genau funktioniert, kannst du mit meinem Stableford-Rechner nachvollziehen.
Schritt 2: Das Score Differential berechnen
Aus dem bereinigten Bruttoergebnis wird jetzt das Score Differential. Das ist der Wert, der wirklich in deinen Handicap-Index eingeht. Die Formel sieht so aus:
Score Differential = (113 / Slope Rating) × (bereinigtes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC)
Der Wert PCC steht für Playing Conditions Calculation. Damit wird ausgeglichen, wenn an einem Tag außergewöhnliche Bedingungen herrschten, etwa starker Wind oder Regen, und alle Spieler deutlich schlechter oder besser waren als sonst. Meist liegt der PCC bei 0. An schwierigen Tagen kann er bis zu +3 betragen, an ungewöhnlich leichten Tagen auch −1.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbarer. Du spielst einen Platz mit Course Rating 71,2 und Slope 128, dein bereinigtes Bruttoergebnis ist 92 und der PCC liegt bei 0. Zuerst ziehst du das Course Rating ab, also 92 − 71,2 = 20,8. Dann rechnest du 113 / 128, das ergibt etwa 0,883. Wenn du beide Werte multiplizierst, kommst du auf ein Score Differential von 18,4 für diese Runde.
Klingt erst mal nach viel Mathematik? In der Praxis sind es zwei Rechenschritte, die du mit jedem Taschenrechner in einer Minute erledigt hast.
Schritt 3: Den Handicap-Index berechnen
Jetzt kommt die eigentliche Berechnung des Handicap-Index. Er wird aus deinem Scoring Record ermittelt, also der Liste deiner erspielten Ergebnisse, und ist der Durchschnitt der besten 8 Score Differentials aus deinen letzten 20 Ergebnissen.
Wenn du 20 Runden in deinem Handicap-Konto hast, werden die acht niedrigsten Score Differentials genommen und daraus der Durchschnitt gebildet. Mit jeder neuen Runde fällt die älteste heraus. Das bedeutet, dass sich dein Handicap oft nur langsam bewegt, denn eine gute Runde zählt nur, wenn sie zu den besten acht gehört, und eine schlechte zählt meistens gar nicht.
Hast du dich schon einmal gewundert, warum dein Handicap schlechter geworden ist, obwohl du ordentlich gespielt hast? Das passiert, wenn eine sehr gute Runde aus den letzten zwanzig herausfällt. Sie verschwindet dann auch aus den besten acht, und der Durchschnitt steigt.
Was gilt bei weniger als 20 Ergebnissen?
Wenn du gerade erst angefangen hast, hast du natürlich noch keine 20 Ergebnisse. Dann gilt eine Tabelle, nach der weniger Ergebnisse in den Durchschnitt eingehen. Bei sehr wenigen Ergebnissen wird der Wert zusätzlich etwas nach unten korrigiert.
| Anzahl Ergebnisse | Gewertete Score Differentials | Anpassung |
|---|---|---|
| 3 | das niedrigste | − 2,0 |
| 4 | das niedrigste | − 1,0 |
| 5 | das niedrigste | keine |
| 6 | Durchschnitt der besten 2 | − 1,0 |
| 7 bis 8 | Durchschnitt der besten 2 | keine |
| 9 bis 11 | Durchschnitt der besten 3 | keine |
| 12 bis 14 | Durchschnitt der besten 4 | keine |
| 15 bis 16 | Durchschnitt der besten 5 | keine |
| 17 bis 18 | Durchschnitt der besten 6 | keine |
| 19 | Durchschnitt der besten 7 | keine |
| 20 | Durchschnitt der besten 8 | keine |
Gerade am Anfang kann sich das Handicap deshalb stark bewegen. Wenn du bei 54 startest, merkst du schon nach wenigen guten Runden einen deutlichen Sprung. Wie du diesen Weg am besten angehst, beschreibe ich in meinem Artikel von Handicap 54 auf 36.
In dieser Phase würde ich dir empfehlen, jede Runde kurz festzuhalten, also Datum, Platz, Ergebnis und was gut lief. So siehst du neben der Zahl auch, warum sie sich verändert. Genau dafür habe ich „Dein Golf Journal“ geschrieben.
Schritt 4: Das Course Handicap für deine Runde
Der Handicap-Index ist dein allgemeiner Wert. Für eine konkrete Runde brauchst du aber dein Course Handicap, das in Deutschland früher Spielvorgabe hieß. Es gibt an, wie viele Vorgabeschläge du auf genau diesem Platz von genau diesem Abschlag bekommst. Die Formel lautet:
Course Handicap = Handicap-Index × (Slope Rating / 113) + (Course Rating − Par)
Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet. Nehmen wir an, dein Handicap-Index ist 18,4 und du spielst einen Platz mit Slope 128, Course Rating 71,2 und Par 72. Dann rechnest du zuerst 18,4 × 128 / 113 = 20,84. Course Rating minus Par ergibt −0,8, und 20,84 − 0,8 sind 20,04. Gerundet bekommst du auf diesem Platz also 20 Vorgabeschläge.
Auf einem leichteren Platz mit niedrigerem Slope wären es weniger, auf einem schwereren mehr. In vielen Clubs hängt dafür eine Tabelle aus, oder du schaust in die App deines Verbands.
Für manche Spielformen wird vom Course Handicap noch ein bestimmter Prozentsatz genommen. Das nennt man Handicap Allowance, und daraus ergibt sich das Playing Handicap für dieses Turnier.
Mit dem folgenden Rechner kannst du dein Course Handicap und deine Spielvorgabe für jeden Platz direkt ausrechnen.
Wann sich dein Handicap nicht verschlechtern kann
Das WHS hat ein paar eingebaute Bremsen, damit ein Handicap nach einer schlechten Phase nicht zu schnell steigt.
Die erste Bremse sind Soft Cap und Hard Cap. Maßstab ist dabei dein niedrigster Handicap-Index der letzten zwölf Monate, der sogenannte Low Handicap Index. Wenn dein aktueller Index um mehr als 3 Schläge über diesen Tiefstwert steigt, wird alles, was über diese 3 Schläge hinausgeht, nur zur Hälfte gewertet. Mehr als 5 Schläge darüber kann dein Index gar nicht steigen.
Dazu kommt eine Besonderheit in Deutschland. Der Deutsche Golf Verband hat festgelegt, dass sich ein Handicap-Index über 26,5 nur verbessern, aber nicht verschlechtern kann. Aus meiner Sicht ist das eine sehr faire Regel, weil sie vielen Einsteigern den Druck bei den ersten Turnieren nimmt.
Außerdem gibt es eine Regel für außergewöhnliche Ergebnisse. Liegt das Score Differential einer Runde mindestens 7,0 unter deinem Handicap-Index, wird dein Index zusätzlich um 1 gesenkt, ab 10,0 darunter sogar um 2. So kommt ein plötzlicher Formsprung schneller in deinem Handicap an.
Welche Runden zählen für das Handicap?
Nicht jede Runde fließt in dein Handicap ein. Handicaprelevant sind in Deutschland vor allem vorgabewirksame Turniere, egal ob im Zählspiel oder nach Stableford-Punkten gewertet, und registrierte Privatrunden. Eine Privatrunde musst du vor dem Spielen anmelden, nachträglich geht das nicht. Die einfache Runde mit Freunden ohne Registrierung zählt also nicht, auch wenn sie noch so gut war.
Auch 9-Loch-Runden zählen. Sie werden für die Berechnung in ein 18-Loch-Ergebnis umgerechnet und fließen dann genauso in dein Handicap ein wie volle Runden. Das ist praktisch, wenn du unter der Woche nur abends ein paar Löcher schaffst.
Wie du handicaprelevante Runden anmeldest, erfährst du in deinem Club oder in der App deines Verbands. Dort findest du auch alle deine bisherigen Score Differentials.
Wie berechnest du dein Handicap selbst?
Wenn du dein Handicap einmal selbst nachrechnen willst, gehst du so vor:
- Notiere deine letzten 20 handicaprelevanten Runden mit bereinigtem Bruttoergebnis, Course Rating und Slope.
- Kürze jedes Loch, das über Par + 2 + deinen Vorgabeschlägen liegt, auf diesen Wert.
- Rechne für jede Runde das Score Differential aus. Den PCC findest du in der Auswertung des Turniers, sonst setzt du 0 an.
- Sortiere alle Score Differentials und nimm die acht niedrigsten.
- Addiere diese acht Werte und teile durch 8. Gerundet auf eine Nachkommastelle ist das dein Handicap-Index.
- Für deine nächste Runde rechnest du daraus mit Slope, Course Rating und Par dein Course Handicap aus.
In der Praxis nimmt dir das dein Golfclub, ein Handicap-Rechner oder die Verbands-App ab, wo dein neues Handicap nach jeder Runde automatisch errechnet wird. Du solltest die Rechnung trotzdem einmal selbst nachvollziehen. Danach verstehst du viel besser, warum sich dein Handicap so verhält, wie es sich verhält.
Häufige Fehler beim Handicap berechnen
Ein häufiger Fehler ist, dass Golfer einfach den Durchschnitt aller Runden nehmen. Das Handicap ist aber nur der Durchschnitt der besten acht aus zwanzig. Wenn du alle Runden mittelst, kommst du auf einen deutlich schlechteren Wert als den, den dir dein Club anzeigt.
Viele Golfer vergessen außerdem, das Bruttoergebnis zu bereinigen, oder sie nehmen Slope und Course Rating vom falschen Abschlag. Ohne Net Double Bogey verfälschen einzelne Katastrophenlöcher das Score Differential stark. Und weil sich die Werte je nach Abschlag und Geschlecht unterscheiden, solltest du immer die Werte nehmen, von denen du tatsächlich gespielt hast.
Gerne verwechselt werden auch Handicap-Index und Course Handicap. Der Index ist dein allgemeiner Wert, das Course Handicap gilt dagegen nur für einen bestimmten Platz und Abschlag.
Wenn dein Handicap stagniert, lohnt sich ein Blick in die Details deiner Runden. An welchen Löchern landest du regelmäßig beim Net Double Bogey? Dort gehen in der Regel die meisten Schläge verloren, und genau dort kannst du am schnellsten etwas verbessern.
Was ist ein gutes Handicap?
Wenn du dein Handicap berechnet hast, stellt sich schnell die Frage, wie es im Vergleich dasteht. Das hängt stark davon ab, wie lange und wie oft du spielst. Viele Hobbygolfer bewegen sich über Jahre zwischen Handicap 20 und 36, ein einstelliges Handicap erreicht nur ein kleiner Teil.
Wie die Verteilung in Deutschland aussieht und was als gutes Handicap gilt, habe ich in meinem Artikel über ein gutes Handicap beim Golf ausführlich zusammengestellt.
Wenn du dein Handicap nicht nur verstehen, sondern auch verbessern willst, würde ich beim kurzen Spiel anfangen. Die größten Sprünge machen die meisten Golfer dort und nicht mit dem Driver. Schreib dir bei den nächsten Runden einfach mal auf, wie viele Putts und Chips du brauchst. Dann siehst du schnell, wo dein größtes Potenzial liegt.
Häufig gestellte Fragen zur Handicap-Berechnung
Wie berechnet man das Golf-Handicap?
Das Golf-Handicap, genauer der Handicap-Index, ist der Durchschnitt der besten 8 Score Differentials aus deinen letzten 20 handicaprelevanten Ergebnissen. Jedes Score Differential berechnet sich aus deinem bereinigten Bruttoergebnis, dem Course Rating und dem Slope Rating des gespielten Platzes.
Wie berechnet man das Score Differential?
Das Score Differential berechnest du mit der Formel (113 / Slope Rating) × (bereinigtes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC). Der PCC gleicht besondere Spielbedingungen aus und liegt meist bei 0. Das Ergebnis wird auf eine Nachkommastelle gerundet.
Wie berechne ich mein Course Handicap?
Das Course Handicap berechnest du mit der Formel Handicap-Index × (Slope Rating / 113) + (Course Rating − Par). Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet und gibt an, wie viele Vorgabeschläge du auf diesem Platz von diesem Abschlag bekommst.
Welches Handicap habe ich als Anfänger?
Als Anfänger startest du in der Regel mit dem höchsten Handicap von 54. Mit den ersten handicaprelevanten Runden wird dein Index nach der Tabelle für weniger als 20 Ergebnisse berechnet. In Deutschland kann er sich oberhalb von 26,5 nur verbessern, nicht verschlechtern. Wenn du schnell runter auf 36 willst, solltest du vor allem Doppelbogeys vermeiden, statt Birdies zu jagen.
Zählen 9-Loch-Runden für das Handicap?
Ja, 9-Loch-Runden zählen für das Handicap, wenn sie handicaprelevant gespielt werden, etwa als Turnier oder registrierte Privatrunde. Sie werden für die Berechnung in ein 18-Loch-Ergebnis umgerechnet und gehen dann ganz normal in deinen Handicap-Index ein.
Fazit
Dein Handicap berechnet sich in vier Schritten. Zuerst wird das Bruttoergebnis über den Net Double Bogey bereinigt, dann entsteht daraus mit Course Rating und Slope das Score Differential. Der Durchschnitt der besten 8 aus 20 Score Differentials ergibt deinen Handicap-Index, und vor jeder Runde wird daraus dein Course Handicap für den jeweiligen Platz.
Wichtig ist vor allem, dass das Handicap zeigt, was du an einem guten Tag spielen kannst. Schlechte Runden fallen meist gar nicht ins Gewicht, und oberhalb von 26,5 kann sich dein Handicap in Deutschland nur verbessern.
Ich würde dir empfehlen, eine deiner letzten Runden einmal selbst nachzurechnen. Danach verstehst du jede Veränderung deines Handicaps viel besser.




