Schlägerkopfgeschwindigkeit: Werte, Schaft-Flex und mehr Speed

Alexander Weber··12 Min Lesezeit
Driver rauscht in Bewegungsunschärfe auf einen Golfball auf dem Tee zu, Rasenpartikel spritzen auf

Wenn du mehr Länge vom Abschlag willst, kommst du früher oder später an der Schlägerkopfgeschwindigkeit nicht vorbei. Sie bestimmt zu einem großen Teil, wie weit dein Ball überhaupt fliegen kann, und sie gibt vor, welcher Schaft zu dir passt. Trotzdem kennen viele Golfer ihren eigenen Wert gar nicht. Weißt du, wie schnell du deinen Driver schwingst? In diesem Artikel zeige ich dir, welche Werte normal sind, welcher Flex zu welchem Tempo gehört und wie du schneller wirst.

Die Schlägerkopfgeschwindigkeit, im Englischen Club Speed, ist das Tempo des Schlägerkopfs kurz vor dem Treffmoment. Amateur-Golfer schwingen den Driver im Schnitt mit etwa 150 km/h, Tourspieler mit rund 185 km/h und Long Driver mit deutlich über 220 km/h. Je höher dein Wert ist, desto weiter kann der Ball fliegen und desto steifer darf dein Schaft sein. Mehr Tempo bekommst du über Technik, Beweglichkeit, gezieltes Speed-Training und die passende Ausrüstung.

Was ist die Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Die Schlägerkopfgeschwindigkeit gibt an, wie schnell sich der Schlägerkopf unmittelbar vor dem Treffmoment bewegt. Angegeben wird sie meist in km/h oder, vor allem in englischen Quellen, in mph (Meilen pro Stunde). Gemessen wird sie mit einem Launch Monitor, zum Beispiel mit Systemen wie Trackman, die in vielen Golfschulen und Indoor-Anlagen stehen.

Man darf sie nicht mit der Ballgeschwindigkeit verwechseln. Die Ballgeschwindigkeit ist das, was am Ende beim Ball ankommt. Wie viel von deinem Schlägertempo tatsächlich auf den Ball übertragen wird, hängt davon ab, wie sauber du triffst.

Das Verhältnis der beiden Werte heißt Smash Factor. Dafür wird die Ballgeschwindigkeit durch die Schlägerkopfgeschwindigkeit geteilt. Beim Driver liegt ein sehr guter Smash Factor bei etwa 1,45 bis 1,50. Das bedeutet, dass du viel Länge verschenkst, wenn du den Ball nicht in der Mitte der Schlagfläche triffst, auch wenn du schnell schwingst.

Was ist eine gute Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Was eine gute Schlägerkopfgeschwindigkeit ist, hängt von deinem Alter, deinem Geschlecht, deiner Fitness und deiner Spielstärke ab. Die Tabelle zeigt dir typische Werte mit dem Driver. Es sind gerundete Richtwerte, wie sie Hersteller von Messsystemen veröffentlichen.

Spielergruppe Driver, km/h Driver, mph Hinweis
Damen, Amateur etwa 110 bis 130 etwa 70 bis 80 große Bandbreite
Herren, Amateur (Durchschnitt) etwa 150 etwa 93 Mittelwert vieler Hobbygolfer
Herren, niedriges Handicap etwa 165 bis 175 etwa 103 bis 109 Single-Handicapper
LPGA-Tour (Damen-Profis) etwa 150 etwa 94 ähnlich wie Amateur-Herren
PGA Tour (Herren-Profis) etwa 185 etwa 115 die schnellsten über 200 km/h
Long Driver über 220 über 140 Spezialisten für maximale Länge

Spannend finde ich die LPGA Tour. Die Profispielerinnen schwingen den Driver im Schnitt ungefähr so schnell wie ein durchschnittlicher Herren-Amateur, schlagen den Ball aber oft weiter. Das liegt am sauberen Treffmoment, also an einem deutlich besseren Smash Factor und einem optimalen Abflugwinkel. Aus meiner Sicht ist das eine gute Nachricht für Hobbygolfer, weil du an deiner Treffqualität arbeiten kannst, ohne dafür ins Fitnessstudio zu müssen.

Bei den Eisen ist die Schlägerkopfgeschwindigkeit niedriger, weil die Schläger kürzer sind. Ein Eisen 7 schwingen die meisten Amateure mit deutlich weniger Tempo als ihren Driver.

Wie wirkt sich die Schlägerkopfgeschwindigkeit auf die Länge aus?

Die Schlägerkopfgeschwindigkeit ist der wichtigste Faktor für die mögliche Länge. Als grobe Faustregel gilt, dass jede zusätzliche Meile pro Stunde beim Driver etwa zwei bis drei Yards mehr Carry bringen kann, also rund zwei bis knapp drei Meter. Das klappt aber nur, wenn du den Ball sauber triffst und auch die Startbedingungen stimmen.

Tempo allein reicht aber nicht. Für die tatsächliche Weite spielen auch Abflugwinkel, Spin, Flugbahn und der Treffpunkt auf der Schlagfläche mit. Wenn du schnell schwingst und die Schlagfläche dabei offen ist, bekommst du einen weiten Slice, mit geschlossener Schlagfläche einen Hook, aber keine zusätzliche Länge. Ein langsamer Schwung mit perfektem Treffmoment schlägt oft weiter als ein schneller Schwung, der die Spitze erwischt.

Wie weit du mit welchem Schläger ungefähr kommst, habe ich dir in meinen Schlägerweiten mit Empfehlung zusammengestellt.

Welcher Schaft-Flex passt zu welcher Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Für die Wahl des Schafts ist die Schlägerkopfgeschwindigkeit die wichtigste Grundlage. Der Flex beschreibt, wie stark sich der Schaft im Schwung biegt. Wenn du schnell schwingst, brauchst du einen steiferen Schaft, damit die Schlagfläche im Treffmoment stabil bleibt. Wenn du eher langsam schwingst, hilft dir ein weicherer Schaft dabei, den Ball gut in die Luft zu bekommen.

Flex Driver, km/h Driver, mph Typisch für
Ladies (L) bis etwa 115 bis etwa 72 viele Damen, langsame Schwünge
Senior (A) etwa 115 bis 135 etwa 72 bis 84 Senioren, ruhige Schwünge
Regular (R) etwa 135 bis 155 etwa 84 bis 96 viele Herren-Amateure
Stiff (S) etwa 155 bis 175 etwa 96 bis 109 schnelle Schwünge, niedriges Handicap
X-Stiff (X) über etwa 175 über etwa 109 sehr schnelle Schwünge, Profis

Diese Werte sind nur eine Orientierung. Jeder Hersteller definiert seine Flex-Stufen etwas anders, und auch dein Schwungtempo spielt mit hinein. Ein Spieler mit einem sehr aggressiven Übergang vom Rück- in den Abschwung braucht oft einen etwas steiferen Schaft als jemand, der gleich schnell, aber mit einem weichen Rhythmus schwingt.

Viele Hobbygolfer spielen übrigens einen Stiff-Schaft, obwohl ihr Tempo eigentlich zu Regular passt. Der Ball fliegt dann flacher und geht bei Rechtshändern oft nach rechts. Das ist einer der häufigsten Fehler beim Thema Schaft, und eine einzige Messung reicht, um ihn zu vermeiden.

Wie viel Loft dein Driver bei deinem Tempo haben sollte, erkläre ich dir ausführlich in meinem Artikel Welche Gradzahl sollte mein Driver haben?

Wenn du deine Schlägerkopfgeschwindigkeit einmal gemessen hast, solltest du sie dir aufschreiben, am besten mit Datum und Schläger. So siehst du über die Monate, ob dein Training wirklich mehr Speed bringt, und hast die Werte parat, wenn du neue Schläger kaufst. Genau für solche Notizen habe ich „Dein Golf Journal“ entwickelt.

Wie misst du deine Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Am einfachsten misst du deine Schlägerkopfgeschwindigkeit mit einem Launch Monitor. Viele Golfschulen, Pro-Shops und Indoor-Golf-Anlagen haben so ein Gerät, und bei einem Fitting wird der Wert ohnehin gemessen. Für zu Hause gibt es kleinere und günstigere Messgeräte, die zumindest die Geschwindigkeit zuverlässig anzeigen.

Du solltest beim Messen mehrere Bälle schlagen und den Durchschnitt nehmen. Ein einzelner Ausreißer nach oben sagt wenig darüber aus, mit welchem Tempo du auf dem Platz tatsächlich spielst. Das passiert schnell. Viele Golfer messen nur ein einziges Mal und wundern sich später, warum der Wert nicht zu ihren Längen passt. Wenn du die Entwicklung über mehrere Wochen beobachtest, bekommst du ein deutlich realistischeres Bild.

Wie Golfsimulatoren und Launch Monitore genau funktionieren, findest du in meinem Artikel über Indoor Golf und Golfsimulatoren.

Wie kannst du deine Schlägerkopfgeschwindigkeit erhöhen?

Mehr Speed kommt nicht aus mehr Kraft in den Armen, sondern aus einer besseren Abfolge im Schwung und einem beweglicheren Körper. Das ist für viele Golfer erst mal ungewohnt, weil sich ein Schlag mit viel Armeinsatz schneller anfühlt. In der Regel verlierst du dadurch aber die Reihenfolge im Schwung, und am Ende stehen weniger Tempo und ein schlechterer Treffmoment.

Die Geschwindigkeit entsteht durch die Drehung von Hüfte und Oberkörper und durch eine saubere Gewichtsverlagerung. Wenn du den Abschwung mit der Hüfte einleitest, erzeugst du bei gleicher Anstrengung mehr Tempo. Genauso wichtig ist der Winkel zwischen Schaft und Unterarm. Wenn du ihn im Abschwung etwas länger hältst, wird die Energie spät und dafür explosiv freigesetzt, während viele Hobbygolfer diesen Winkel schon viel zu früh lösen.

Ein weiterer Punkt ist das Abbremsen vor dem Ball. Viele Golfer werden kurz vor dem Treffmoment langsamer, weil sie den Ball unbedingt „treffen“ wollen. Denk lieber an einen schnellen Punkt nach dem Ball, also an deinen Durchschwung.

Auch dein Körper setzt Grenzen. Eine bessere Rotation in Hüfte und Brustwirbelsäule erlaubt dir einen längeren Rückschwung ohne Ausgleichsbewegungen, und Dehnübungen für Rumpf und Hüfte zahlen sich hier direkt aus. Viel Speed entsteht außerdem aus dem Boden heraus. Übungen für Beine, Gesäß und Rumpf helfen dir dabei, Kraft schneller in Rotation umzusetzen.

Wenn du gezielt schneller werden willst, kannst du ein Overspeed-Training ausprobieren. Dabei schwingst du abwechselnd leichtere und schwerere Trainingsschläger so schnell du kannst. Bekannt sind Systeme wie SuperSpeed. Ein häufiger Fehler ist, dass Golfer hier zu viel auf einmal wollen. Overspeed-Training belastet Muskeln und Sehnen stark, deshalb bringen kurze Einheiten mit viel Erholung mehr und schützen dich vor Überlastung. Notiere dir nach jeder Einheit deinen Durchschnittswert, denn schon ein paar km/h mehr über eine Saison machen sich auf dem Platz bemerkbar.

Welche Muskeln beim Golfschwung besonders gefordert sind, liest du in meinem Artikel Welche Muskeln werden beim Golfen trainiert? Wie du den Schwung mit dem langen Holz insgesamt verbesserst, erkläre ich dir beim Golfschwung mit dem Driver. Bevor du an deinem Schwung herumbaust, würde ich dir aber empfehlen, mit deinem lokalen Pro zu reden. Er sieht in der Regel sofort, ob dir eher Beweglichkeit oder die richtige Abfolge fehlt.

Welche Rolle spielt die Ausrüstung?

Auch die Ausrüstung beeinflusst, wie schnell du schwingen kannst. Ein leichterer Schaft lässt sich schneller beschleunigen, und ein längerer Schaft vergrößert den Schwungbogen und damit das mögliche Tempo. Beides hat allerdings seinen Preis. Längere Schläger sind schwerer zu kontrollieren, und zu leichte Schäfte fühlen sich für schnelle Schwinger instabil an.

Ein Fitting ist aus meiner Sicht der beste Weg, hier die richtige Balance zu finden. Dort wird gemessen, mit welchem Schaft du die höchste Ballgeschwindigkeit bei einem gleichzeitig guten Treffbild erreichst. Oft bringt der passende Schaft mehr Länge als ein neuer Schlägerkopf.

Und was ist mit dem Trampolineffekt moderner Driverköpfe? Er ist durch die Ausrüstungsregeln begrenzt, damit Schläger nicht beliebig viel Energie an den Ball zurückgeben. Der Unterschied zwischen modernen Modellen liegt deshalb weniger im Maximaltempo als darin, wie viel Geschwindigkeit bei nicht ganz zentralen Treffern erhalten bleibt.

Gerade nach einem Fitting lohnt es sich, die gemessenen Werte festzuhalten. Dann kannst du später vergleichen, ob ein neuer Schaft oder ein neuer Driver wirklich etwas gebracht hat.

Wie verändert sich die Schlägerkopfgeschwindigkeit im Alter?

Mit zunehmendem Alter nimmt die Schlägerkopfgeschwindigkeit bei den meisten Golfern ab, vor allem weil Beweglichkeit und Schnellkraft nachlassen. Ganz aufhalten lässt sich das nicht. Du kannst es aber deutlich bremsen.

Regelmäßige Beweglichkeitsübungen, leichte Kräftigung und ein Schaft, der zu deinem aktuellen Tempo passt, helfen dabei viel. Viele Senioren gewinnen Länge zurück, wenn sie auf einen leichteren Schaft mit Senior-Flex und einen Driver mit mehr Loft umsteigen. Spielst du noch denselben Schaft wie vor zehn Jahren? Dann lohnt sich ein neuer Blick auf deine Werte. Warum Golf in jedem Alter Spaß machen kann, liest du in meinem Artikel Wann ist man zu alt für Golf?

Wenn du deine Werte über die Jahre festhältst, siehst du auch, ob deine Übungen den Rückgang tatsächlich bremsen.

Häufig gestellte Fragen zur Schlägerkopfgeschwindigkeit

Was ist eine gute Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Bei Herren-Amateuren liegt der Durchschnitt mit dem Driver bei etwa 150 km/h. Werte um 165 bis 175 km/h erreichen viele Golfer mit niedrigem Handicap, Tourprofis kommen auf etwa 185 km/h. Bei Damen-Amateuren sind 110 bis 130 km/h typisch. Viel wichtiger als der Vergleich mit anderen ist, dass dein Schaft zu deinem Wert passt.

Wie kann ich meine Schlägerkopfgeschwindigkeit erhöhen?

Mehr Schlägerkopfgeschwindigkeit bekommst du vor allem durch einen Schwung aus dem Körper, einen spät gelösten Handgelenkwinkel und mehr Beweglichkeit in Hüfte und Rumpf. Gezieltes Overspeed-Training und Kraftübungen für Beine und Rumpf helfen zusätzlich. Kurze, regelmäßige Einheiten bringen dabei mehr als lange.

Welcher Flex bei welcher Schlägerkopfgeschwindigkeit?

Als Orientierung beim Driver gilt Ladies bis etwa 115 km/h, Senior von 115 bis 135 km/h, Regular von 135 bis 155 km/h, Stiff von 155 bis 175 km/h und X-Stiff darüber. Die Grenzen unterscheiden sich je nach Hersteller, deshalb gibt dir ein Fitting die genaueste Antwort.

Was ist der Smash Factor?

Der Smash Factor ist das Verhältnis von Ballgeschwindigkeit zu Schlägerkopfgeschwindigkeit. Er zeigt dir, wie effizient du den Ball triffst. Beim Driver gelten Werte um 1,45 bis 1,50 als sehr gut, und ein niedriger Smash Factor deutet auf Treffer außerhalb der Mitte der Schlagfläche hin.

Wie schnell schwingen Profis den Driver?

Tourspieler auf der PGA Tour schwingen den Driver im Schnitt mit etwa 185 km/h, die schnellsten Spieler kommen auf über 200 km/h. Spezialisierte Long Driver erreichen sogar über 220 km/h. Die Profispielerinnen der LPGA Tour liegen im Schnitt bei etwa 150 km/h.

Fazit

Die Schlägerkopfgeschwindigkeit ist die Grundlage für deine Länge und für die Wahl des richtigen Schafts. Hobbygolfer schwingen den Driver im Schnitt mit etwa 150 km/h, Profis mit rund 185 km/h. Genauso wichtig wie das Tempo ist aber, dass du den Ball sauber in der Mitte triffst. Beides gehört zusammen.

Mehr Speed bekommst du über einen Schwung aus dem Körper, eine bessere Beweglichkeit und gezieltes Training. Der passende Schaft-Flex sorgt dann dafür, dass aus der Geschwindigkeit auch wirklich Länge wird.

Ich würde dir empfehlen, deine Schlägerkopfgeschwindigkeit einmal messen zu lassen, am besten bei einem Fitting oder bei deinem lokalen Pro. Dann weißt du, welcher Schaft zu dir passt und wo du am besten ansetzt.

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Alexander Weber

Golfer aus Leidenschaft und Autor von Golfforscher. Schreibt über Schwung, kurzes Spiel, Ausrüstung und Regeln - einfach und verständlich, ohne Fachchinesisch.

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