Viele Golfer verlieren die meisten Schläge auf den letzten 80 Metern vor dem Grün. Das liegt oft am Pitch, also an dem Schlag, den du brauchst, wenn ein voller Schwung zu weit wäre und ein Chip zu flach. Liegt dann noch ein Bunker zwischen dir und der Fahne, wird es für viele richtig unangenehm, weil sie die Distanz nicht kontrollieren. In diesem Artikel zeige ich dir, was einen Pitch ausmacht, welchen Schläger du dafür nimmst und wie du die Weite mit einem einfachen System in den Griff bekommst.
Beim Pitchen spielst du einen kurzen, hohen Schlag mit einem Wedge, meist aus 20 bis 80 Metern, bei dem der Ball länger fliegt als rollt. Die Distanz steuerst du über die Länge deines Rückschwungs und nicht über die Kraft. Der Körper dreht mit, die Hände bleiben ruhig, und du triffst den Ball mit einer leicht abwärts gerichteten Bewegung.
Was ist ein Pitch beim Golf?
Ein Pitch ist ein kurzer Annäherungsschlag, bei dem der Ball hoch fliegt und nach der Landung nur wenig rollt. Du spielst ihn, wenn zwischen dir und der Fahne etwas liegt, das du überspielen musst, etwa ein Bunker, hohes Rough oder ein Hang. Auch wenn die Fahne nah am Grünrand steckt und kaum Platz zum Ausrollen bleibt, ist der Pitch meistens die richtige Wahl.
Im Deutschen hat sich der englische Begriff durchgesetzt. Falls du dich gefragt hast, was pitchen auf Deutsch heißt: Wörtlich bedeutet to pitch so viel wie werfen oder hochwerfen. Im Golf meint man damit genau diesen hohen, weichen Schlag ans Grün.
Der Pitch liegt irgendwo zwischen dem vollen Schlag mit dem Wedge und dem Chip. Beim Chip rollt der Ball den größten Teil der Strecke, beim Pitch fliegt er den größten Teil. Wie sich die beiden Schläge im Detail unterscheiden, habe ich dir im Artikel zum Unterschied zwischen Pitchen und Chippen erklärt. Hier geht es um die Technik des Pitches selbst.
Welchen Schläger nimmst du zum Pitchen?
Für den Pitch eignen sich alle Wedges. Welches du nimmst, hängt davon ab, wie hoch der Ball fliegen und wie schnell er nach der Landung liegen bleiben soll. Die Tabelle gibt dir eine grobe Orientierung:
| Wedge | Loft (ca.) | Flughöhe | Roll nach der Landung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Pitching Wedge | 44 bis 47° | mittel | etwas mehr | längere Pitches, viel Grün vor der Fahne |
| Gap Wedge | 48 bis 52° | mittel bis hoch | mittel | Standard-Pitch aus mittlerer Distanz |
| Sand Wedge | 54 bis 56° | hoch | wenig | über Bunker, Fahne nah am Rand |
| Lob Wedge | 58 bis 64° | sehr hoch | sehr wenig | kurze, hohe Pitches über Hindernisse |
Viele Golfer nehmen für jeden Pitch automatisch das Sand Wedge. Wenn genug Grün zwischen Landepunkt und Fahne liegt, ist ein Wedge mit weniger Loft aber oft die einfachere Wahl, weil du es nicht ganz so präzise treffen musst. Für sehr kurze, hohe Pitches über ein Hindernis greifst du dagegen zum Lob Wedge. Welche Wedge-Arten es gibt und wie sie sich unterscheiden, erkläre ich dir in meinem Ratgeber zu den Wedges beim Golf.
Wie funktioniert die richtige Technik beim Pitchen?
Ein guter Pitch ist im Grunde ein verkleinerter voller Schwung. Das klingt erst mal einfach, aber gerade weil der Schwung kleiner ist, fallen kleine Fehler in der Ansprechposition stärker ins Gewicht.
Stell dich etwas schmaler hin als beim vollen Schwung, die Füße stehen etwa hüftbreit. Viele Golfer öffnen den vorderen Fuß leicht, weil das die Drehung zum Ziel erleichtert. Der Ball liegt etwa in der Mitte deines Stands. Wenn er zu weit vorne liegt, triffst du ihn leicht dünn, und wenn er zu weit hinten liegt, fliegt er flach.
Dein Gewicht liegt leicht auf dem vorderen Fuß, etwa 60 Prozent, und bleibt während des ganzen Schwungs dort. Den Schläger greifst du ein Stück kürzer als normal. Das gibt dir mehr Kontrolle, solange der Griffdruck locker bleibt.
Im Rückschwung drehst du Brust und Schultern, statt nur die Arme zu heben. Im Abschwung drehst du weiter durch den Ball, bis die Brust zum Ziel zeigt. Die Hände führen leicht, und der Schläger folgt ihnen.
Im Treffmoment schwingst du leicht abwärts durch den Ball. Das bedeutet, dass der Loft des Wedges den Ball in die Luft bringt und du ihn nicht selbst hochlöffeln musst. Wenn du das einmal verinnerlicht hast, wird dein Pitch deutlich konstanter.
Wie kontrollierst du die Distanz beim Pitchen?
Das Schwierigste am Pitchen ist aus meiner Sicht nicht die Technik, sondern die Distanz. Am besten funktioniert dafür ein festes System, bei dem du die Länge des Rückschwungs veränderst und die Geschwindigkeit gleich lässt. Bekannt ist es als Uhren-System.
Stell dir vor, du stehst vor einer großen Uhr. Dein Kopf ist die 12, deine Füße sind die 6. Dein linker Arm zeigt als Rechtshänder im Rückschwung auf eine bestimmte Uhrzeit, und jede Uhrzeit steht für eine eigene Distanz:
| Rückschwung bis | Typische Distanz | Gefühl |
|---|---|---|
| 7:30 Uhr | kurz | kleiner Pitch, kaum mehr als ein langer Chip |
| 9 Uhr | mittel | Arm etwa waagerecht |
| 10:30 Uhr | länger | Dreiviertel-Schwung |
| voller Schwung | volle Distanz | normaler Wedge-Schlag |
Die Distanzen sind für jeden Golfer anders, deshalb stehen in der Tabelle auch keine Meterangaben. Du solltest auf die Driving Range gehen, mit jedem Wedge zehn Bälle pro Uhrzeit schlagen und die durchschnittliche Weite notieren. So entsteht eine persönliche Tabelle, mit der du auf dem Platz nicht mehr raten musst.
Mit drei Wedges und drei Schwunglängen hast du schon neun verschiedene Distanzen im Repertoire. Das ist auch der Grund, warum gute Spieler aus 60 Metern so oft nah an die Fahne kommen.
Ich halte diese Liste mit deinen Pitch-Distanzen für eines der wertvollsten Dinge, die du auf dem Platz dabeihaben kannst. Ich habe „Dein Golf Journal“ unter anderem genau für solche Notizen entwickelt, damit du sie nach dem Training festhalten und aktualisieren kannst, wenn sich dein Schwung verändert.
So übst du das Pitchen Schritt für Schritt
Wie baust du nun einen Pitch auf, auf den du dich auch unter Druck verlassen kannst? Ich würde dir empfehlen, dich an diese Reihenfolge zu halten:
- Fang mit halben Schwüngen bis 9 Uhr an und schlag sie mit einem Wedge, bis du den Ball konstant sauber triffst und die Brust mitdreht.
- Achte darauf, dass dein Durchschwung mindestens so lang ist wie der Rückschwung. So beschleunigst du durch den Ball.
- Schlag zehn Bälle pro Schwunglänge, miss die Landepunkte und notier den Durchschnitt, nicht den besten Schlag.
- Wiederhol das mit jedem Wedge, damit du siehst, wie sich Höhe und Distanz verändern.
- Leg Ziele in verschiedenen Distanzen aus und spiel abwechselnd auf jedes, so wie du auf dem Platz auch ständig wechseln musst.
- Übe auch aus dem Rough, vom Hang und von kahlen Stellen.
Gerade der letzte Punkt wird oft vergessen, dabei entstehen auf dem Platz dort die meisten Probleme. Weitere Ideen für dein Training findest du in meinen Tipps, wie du deine Schläge mit den Wedges verbessern kannst.
Welche Fehler passieren beim Pitchen am häufigsten?
Ein häufiger Fehler ist, dass Golfer den Ball mit einer Schaufelbewegung der Hände in die Luft bringen wollen. Dabei kippt oft auch das Gewicht auf den hinteren Fuß, und der Schläger trifft den Boden vor dem Ball. Das Ergebnis sind dünne oder fette Schläge. Wenn du dem Loft vertraust, das Gewicht vorne lässt und leicht abwärts schlägst, verschwindet dieses Problem in den meisten Fällen.
Viele Golfer bremsen außerdem im Treffmoment ab. Das passiert vor allem, wenn du zu weit ausholst und im Abschwung merkst, dass es zu viel wird. Der Ball kommt dann kaum vom Fleck. Hol lieber etwas kürzer aus und beschleunige bewusst durch den Ball. Auch wenn du nur mit den Armen schwingst und die Brust nicht mitdreht, wird der Pitch unkonstant.
Der dritte Klassiker ist, jeden Pitch mit demselben Wedge zu spielen. Dann hast du nur die Schwunglängen dieses einen Schlägers zur Verfügung und musst Zwischendistanzen über die Kraft steuern. Mit mehreren Wedges und dem Uhren-System wird das deutlich einfacher.
Machst du beim Pitchen immer wieder dieselben Fehler? Dann schreib nach dem Training auf, was passiert ist, also zu kurz, zu lang, fett oder dünn. Nach ein paar Einheiten erkennst du ein Muster und weißt, wo du ansetzen musst. Wenn du generell Probleme rund ums Grün hast, lohnt sich ein Blick auf die größten Fehler im kurzen Spiel.
Pitchen aus schwierigen Lagen
Auf dem Platz liegt der Ball selten so schön wie auf der Range. Mit ein paar Anpassungen kommst du trotzdem gut aufs Grün.
Wenn dein Ball im Rough liegt, bremst das Gras den Schläger und kann zwischen Ball und Schlagfläche geraten. Schwing deshalb etwas steiler und kräftiger durch. Der Ball fliegt dann meistens flacher und rollt mehr, als du es von der Range gewohnt bist.
Am Hang stellst du dich parallel zum Gelände. Bergauf fliegt der Ball höher und kürzer, deshalb nimmst du eher ein Wedge mit weniger Loft. Bergab ist es umgekehrt, denn der Ball fliegt flacher und rollt mehr. Hier nimmst du mehr Loft und hältst den Schwung kurz und ruhig.
Von einer kahlen Stelle kommt es vor allem auf sauberen Ballkontakt an. Ein Wedge mit wenig Bounce und ein kurzer, ruhiger Schwung helfen dir, nicht in den harten Boden zu schlagen.
Wann solltest du pitchen und wann chippen?
Als Faustregel gilt: Wenn du rollen kannst, roll. Ein Chip ist in der Regel sicherer als ein Pitch, weil du weniger Schwung brauchst und damit weniger schiefgehen kann. Pitchen solltest du dann, wenn ein Hindernis im Weg ist, die Fahne nah am Grünrand steckt oder das Grün zu klein ist, um den Ball rollen zu lassen.
Wenn du diese Entscheidung vor jedem Schlag bewusst triffst, sparst du über eine Runde einige Schläge. Warum gerade das kurze Spiel so viel ausmacht, habe ich in meinem Artikel über den wichtigsten Faktor für ein niedrigeres Handicap beschrieben.
Häufig gestellte Fragen zum Pitchen
Welches Wedge nimmt man zum Pitchen?
Für die meisten Pitches eignen sich Gap Wedge und Sand Wedge. Wenn viel Grün vor der Fahne liegt, ist ein Pitching Wedge oft einfacher. Für sehr kurze, hohe Pitches über Hindernisse nimmst du ein Lob Wedge. Wichtig ist, dass du deine Distanzen mit jedem Wedge kennst.
Was ist der Unterschied zwischen Pitch und Chip?
Beim Pitch fliegt der Ball den größten Teil der Strecke und rollt wenig, beim Chip rollt er den größten Teil und fliegt nur kurz. Den Pitch spielst du mit einem längeren Schwung und mehr Körperdrehung, den Chip mit einer kurzen, putt-ähnlichen Bewegung.
Warum treffe ich beim Pitchen oft fett?
Fette Pitches entstehen meistens, weil das Gewicht nach hinten wandert, du den Ball hochlöffeln willst oder im Treffmoment abbremst. Halte das Gewicht vorne, triff den Ball leicht abwärts und beschleunige durch den Ball. Ein kürzerer Rückschwung hilft dir dabei, nicht abbremsen zu müssen.
Fazit
Der Pitch ist der kurze, hohe Schlag ans Grün, bei dem der Ball mehr fliegt als rollt. Wichtig sind eine ruhige Technik mit Körperdrehung, das Gewicht auf dem vorderen Fuß und ein leicht abwärts gerichteter Treffmoment.
Für die Distanz zählt die Länge des Rückschwungs. Mit dem Uhren-System und mehreren Wedges kommst du schnell zu einer persönlichen Distanztabelle, die dir auf dem Platz viele Schläge spart.
Ich würde dir empfehlen, eine ganze Trainingseinheit nur in deine Pitch-Distanzen zu investieren und sie aufzuschreiben. Wenn es danach immer noch nicht klappt, rede mit deinem lokalen Pro.




