Warum spielen kaum Frauen Golf?

Alexander Weber··8 Min Lesezeit
Warum spielen kaum Frauen Golf?

Beim Golfen denkt man oft an ältere Herren, die sich ein Hobby für die Rente gesucht haben, und nicht gerade an einen Frauensport. Im Profigolf merkt man dagegen schnell, dass auch viele junge Spielerinnen dabei sind. Von der Damenliga hört man als Golfinteressierter trotzdem kaum etwas. Aber warum interessieren sich scheinbar so wenig Frauen für Golf und wie kann sich das ändern?

Frauen wurden seit der Gründung des Golfsports eher selten auf den Plätzen gesehen und haben sich deshalb oft für andere Hobbys entschieden. Selbst in den letzten 10 Jahren hat sich der prozentuale Anteil der Frauen unter den Golfern noch weiter verringert.

Statistiken zu Frauen im Golfsport

Schauen wir uns die Statistiken rund um das Thema an. Zuerst die aktuellsten Zahlen zu Golfspielern nach Geschlecht.

2022 gab es rund 438.000 männliche und 244.200 weibliche Golfspieler in Deutschland.

Das bedeutet, dass fast doppelt so viele Männer wie Frauen Golf spielen, genauer sind es etwa 79,4 % mehr männliche als weibliche Golfspieler. Auch der Europäische Golfverband bestätigt diesen Trend mit aktuell rund 222.500 registrierten Spielerinnen gegenüber 366.000 Spielern. Wie hat sich das über die letzten 10 Jahre entwickelt?

Zwischen 2012 und 2022 ist die Zahl der weiblichen Golfspieler nur um etwa 2,6 % von 238.279 auf 244.473 gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der männlichen Golfspieler um etwa 10,5 % von 396.818 auf 438.469 gestiegen.

Der Frauenanteil im Golfsport hat sich also trotz Zuwachs im Vergleich zu den Männern prozentual verringert. Aber was macht den Golfsport eigentlich so unattraktiv für Frauen, oder was könnten die Gründe für diesen Unterschied sein?

Auch am Alter der Golferinnen kann man einiges ablesen. Besonders bis zum 40. Lebensjahr spielen Frauen sehr wenig Golf, danach vervierfacht sich die Zahl der Golferinnen zwischen 41 und 50 fast im Vergleich zu den 36- bis 40-Jährigen. Der größte Unterschied zeigt sich im Alter von 15 bis 40 Jahren, denn dort spielen im Schnitt 18.000 Männer und nur 6.400 Frauen Golf.

Diese Zahlen stammen von Statista und werden dort regelmäßig aktualisiert. Zum Vergleich lohnt sich auch ein Blick auf die Popularität von Golf insgesamt, denn der Sport wächst grundsätzlich, nur eben deutlich langsamer bei den Frauen.

Geschichte: Warum Frauen im Golf lange keine Rolle spielten

Die ungleiche Verteilung im Golfsport geht historisch weit zurück. Schon 1811 gab es in Schottland das erste bekannte Golfturnier für Frauen, 1893 wurde in Großbritannien mit der Ladies' Golf Union sogar ein eigener Verband für Damengolf gegründet. Auch in Deutschland spielten Frauen früh mit, bereits bei den ersten Meisterschaften des Deutschen Golf Verbandes 1907 gab es einen Damen-Wettbewerb.

Trotzdem blieben Frauen auf vielen Plätzen lange Zeit Gäste zweiter Klasse. In Großbritannien und Schottland gibt es bis heute Clubs, in denen Frauen früher nicht gestattet waren. Mit der Regel „No Women" warb beispielsweise der Muirfield Golf Club in Edinburgh, bis diese Regel erst 2017 aufgehoben wurde.

Auch im Profibereich hatten es Frauen schwerer. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Damengolf fast nur von Amateurinnen gespielt, feste Turniere mit Preisgeldern gab es kaum. Erst mit der Gründung der LPGA 1949 bekam das Damengolf eine eigene, professionelle Bühne, auch wenn die Preisgelder bis heute deutlich unter denen der Herren liegen.

Beschäftigung am Golfplatz

Ich habe aus Interesse geschaut, wie es in vielen Golfclubs in meiner Gegend um die Besetzung steht. Dabei ist mir aufgefallen, dass in diesen Clubs öfter Frauen als Männer Präsidentin waren und auch die meisten Angestellten im Sekretariat weiblich waren.

Besonders bei der Präsidentschaft ist das erstaunlich, denn es gibt fast doppelt so viele Männer wie Frauen im Golfsport, und trotzdem streben mehr Frauen die führende Position auf dem Golfplatz an oder erreichen sie sogar.



Gründe für die ungleiche Verteilung

Dass besonders Frauen im Alter von 15 bis 40 kaum Golf spielen, lässt sich unter anderem damit erklären, dass viele Frauen in dieser Lebensphase Karriere und Kinder unter einen Hut bringen wollen. Für Hobbys wie Golf bleibt dann oft wenig Zeit.

Außerdem gibt es andere Hobbys, die von Frauen häufiger bevorzugt werden, Reiten und Ballett sind zum Beispiel immer noch eher frauendominiert. Aber gibt es dafür einen tieferen Grund? Werden Frauen beim Golfen schlechter behandelt als Männer?

Wie werden Damen anders behandelt

Inzwischen gibt es viele Kurse, die speziell für Frauen konzipiert sind, um besseren Zusammenhalt zu schaffen, ohne den direkten Vergleich mit den Männern. Dadurch erspielen sich die Teilnehmerinnen schneller Fortschritte und haben gerade als Anfängerinnen ein besseres Gefühl dabei. Wie genau sich Training für Männer und Frauen unterscheidet, habe ich in einem eigenen Artikel näher erklärt.

Frauen haben andere Ausgangsbedingungen als Männer. Sie haben im Schnitt weniger Muskelmasse und damit weniger Kraft, dafür aber oft mehr Flexibilität. Deshalb starten Damen bei den meisten Löchern von einem anderen Abschlag, um diesen Kraftunterschied auszugleichen. Sie müssen also nicht ganz so weit schlagen wie Männer, um ein vergleichbares Ergebnis zu erzielen.

Frauen setzen beim Golfen tatsächlich auch mehr auf Mode als Männer. Wie in anderen Lebensbereichen kaufen sie sich oft mehr neue Kleidung fürs Golfen, während Männer gerne lange an denselben Teilen festhalten.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass Damen auf dem Platz schneller neue Leute kennenlernen. Die Herren bringen dagegen häufiger eigene Gäste von außerhalb mit auf den Platz.

Vorteile von Golf für Frauen

So kritisch die Zahlen klingen, Golf hat gerade für Frauen einiges zu bieten. Eine Studie hat gezeigt, dass Führungskräfte, die golfen, im Schnitt deutlich mehr verdienen als Kolleginnen ohne Golfhobby, weil auf dem Platz eben auch viele berufliche Kontakte entstehen. Golf ist also nicht nur Freizeitspaß, sondern auch ein Türöffner fürs Netzwerken.

Dazu kommt der körperliche Aspekt. Eine Runde Golf bedeutet mehrere Stunden an der frischen Luft und oft mehrere Kilometer zu Fuß. Das tut der Fitness gut und baut nebenbei Stress ab, ganz ohne den Leistungsdruck vieler anderer Sportarten.

Lösungsansätze für Damen

Damen haben es im mentalen Golfspiel tatsächlich oft etwas schwerer, weil sie sich mit den Herren vergleichen, dabei häufig weniger Kraft haben und dadurch mehr an sich zweifeln. Männer akzeptieren einen verschlagenen Ball meist schneller und erwarten nicht, von Anfang an elegant und gut zu spielen. Mentales Golftraining ist für beide Geschlechter wichtig, könnte aber gerade viele Damen davon abhalten, den Sport wieder aufzugeben.

Genauso wichtig ist es, sich die eigenen Ziele vor Augen zu halten. Geht es darum, mit Freunden oder dem Partner zu spielen, Kontakte zu knüpfen oder einfach Spaß zu haben, sollte man das Spiel nicht zu ernst nehmen und genau mit diesem Gedanken im Kopf dabeibleiben.

Es fehlt im Damengolf auch etwas an prominenten Vorbildern. Eine Sportlerin vom Format einer Steffi Graf, der junge Mädchen nacheifern wollen, gibt es im deutschen Golf bisher kaum. Genau wie in anderen Sportarten zieht meist nur die Profiliga der Herren ein großes Publikum an, wodurch es insgesamt weniger Berührungspunkte mit dem Golfsport gibt.

Hilfreich sind außerdem niedrigschwellige Angebote, die Frauen den Einstieg erleichtern, etwa reine Frauenclubs ohne Leistungsdruck oder Kooperationen zwischen Firmen und Golfclubs, bei denen ganze Abteilungen gemeinsam üben. Auch neue Formate wie Topgolf helfen dabei, weil sie den Abschlag mit Freunden verbinden und eher an Bowling erinnern als an das klassische, ernste Golfen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Frauen spielen in Deutschland Golf? 2022 waren es laut Statista rund 244.200 Frauen, gegenüber etwa 438.000 männlichen Golfspielern.

Warum spielen weniger Frauen Golf als Männer? Historische Zugangsbeschränkungen, die Doppelbelastung durch Karriere und Familie sowie fehlende Vorbilder im Damengolf sind die häufigsten Gründe.

Gibt es spezielle Golfkurse für Frauen? Ja, viele Clubs bieten inzwischen reine Frauenkurse an, in denen ohne direkten Vergleich zu den Männern trainiert wird.

Fazit

Golfen ist ein toller Sport für Jung und Alt. Trotzdem findet er bei immer weniger Frauen Anklang. Dafür können mehrere Faktoren eine Rolle spielen, über die ich hier zum Teil nur spekulieren kann. Jeder Golfer kann trotzdem etwas für diese Statistik tun und die nächste Freundin oder Kollegin mal mit auf den Platz nehmen. Jeder Berührungspunkt mit dem Golfsport kann diese Quote verbessern, damit der Sport auch für Frauen eine lange Zukunft hat und nicht immer uninteressanter wird.

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Alexander Weber
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Alexander Weber

Golfer aus Leidenschaft und Autor von Golfforscher. Schreibt über Schwung, kurzes Spiel, Ausrüstung und Regeln - einfach und verständlich, ohne Fachchinesisch.

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