LIV Golf erklärt: Format, Spieler und die Zukunft der Liga

Alexander Weber··12 Min Lesezeit
Profi schlägt bei einem LIV-Golf-Turnier ab, Zuschauer säumen die Bahn, große LIV-Logos an Banden und Tribünen

Kaum ein Thema hat den Profigolf in den letzten Jahren so gespalten wie LIV Golf. Plötzlich spielten Stars wie Jon Rahm, Bryson DeChambeau oder Martin Kaymer nicht mehr auf der PGA Tour, sondern in einer neuen Liga mit eigenen Regeln. 2026 hat die Geschichte dann eine überraschende Wendung genommen.

LIV Golf ist eine Profi-Golfliga, die 2022 mit Geld des saudi-arabischen Staatsfonds PIF gestartet ist. Gespielt wird mit kleinen Feldern um sehr hohe Preisgelder, 2026 mit 57 Spielern, davon 13 Teams mit je vier Spielern plus Wildcards, über 72 Löcher und ohne Cut. Zu den bekanntesten Spielern gehören Jon Rahm, Bryson DeChambeau, Phil Mickelson, Dustin Johnson und Martin Kaymer. Seit 2026 gibt es Weltranglistenpunkte, aber nur für die besten zehn eines Turniers. Der PIF steigt nach der Saison 2026 aus, und im September 2026 hat LIV Golf in den USA ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragt. Künftig sollen die Spieler Mehrheitseigner der Liga werden. Stand: Oktober 2026.

Was ist LIV Golf?

LIV Golf, offiziell LIV Golf League, ist eine eigene Profi-Tour, die neben der PGA Tour und der DP World Tour entstanden ist. Der Name kommt aus den römischen Zahlen, denn LIV steht für 54. Das war die ursprüngliche Zahl der Löcher pro Turnier und gleichzeitig der Score, den man auf einem Par-72-Platz mit einem Birdie an jedem Loch spielen würde.

Das Konzept war von Anfang an anders als im klassischen Profigolf. Statt großer Felder mit über 150 Spielern gibt es kleine Felder, und statt eines Cuts nach zwei Runden spielt jeder bis zum Ende. Neben der Einzelwertung gibt es außerdem eine Teamwertung, ähnlich wie in einer Sportliga.

Der wohl größte Unterschied war aber das Geld. LIV lockte viele Stars mit Verträgen und Preisgeldern, die weit über dem lagen, was auf den anderen Touren üblich war.

Wer steckt hinter LIV Golf?

Finanziert wurde LIV Golf vom Public Investment Fund (PIF), dem Staatsfonds Saudi-Arabiens. Erster Chef der Liga war der frühere Weltranglistenerste Greg Norman. Seit 2025 führt Scott O’Neil die Liga als CEO.

Gerade die Herkunft des Geldes machte LIV von Anfang an umstritten. Kritiker warfen der Liga vor, sie sei Teil einer Strategie, mit Sport das Image Saudi-Arabiens zu verbessern. Im Englischen nennt man das „Sportswashing“. Befürworter sahen dagegen eine längst fällige Konkurrenz für die PGA Tour, die Spielern mehr Mitsprache und mehr Geld bringt.

Im April 2026 kündigte der PIF an, die Finanzierung von LIV Golf nach der Saison 2026 zu beenden. Damit stand die Liga vor der Frage, wie es ohne ihren wichtigsten Geldgeber weitergehen kann.

Wie funktioniert LIV Golf? Das Format 2026

Zur Saison 2026 hat LIV Golf sein Format deutlich verändert. Die Tabelle zeigt dir, wie sich LIV vom klassischen Tourgolf unterscheidet:

Merkmal LIV Golf 2026 PGA Tour / DP World Tour Was das bedeutet
Feldgröße 57 Spieler meist über 120 Spieler kleines, exklusives Feld
Löcher 72 Löcher an 4 Tagen 72 Löcher an 4 Tagen seit 2026 gleich lang, vorher 54 Löcher
Cut kein Cut Cut nach 36 Löchern jeder Spieler spielt alle Runden
Start Kanonenstart, alle gleichzeitig Starts nacheinander Turnier dauert pro Tag kürzer
Teams 13 Teams mit je 4 Spielern keine Teams parallele Team- und Einzelwertung
Weltranglistenpunkte nur für die Top 10 für alle, die den Cut schaffen schwieriger, in der Weltrangliste zu steigen

Beim Kanonenstart, im Englischen Shotgun Start, beginnen alle Spieler gleichzeitig an verschiedenen Löchern. So ist jede Runde nach rund fünf Stunden vorbei, was das Turnier für Zuschauer im Fernsehen kompakter macht.

Neu ist seit 2026, dass zu den 52 Teamspielern fünf Wildcard-Spieler kommen, die keinem Team angehören. Insgesamt umfasst die Saison 2026 vierzehn Turniere rund um die Welt, gestartet wurde im Februar in Riad. In den USA spielte LIV in den vergangenen Jahren unter anderem auf dem Trump National in Bedminster und in Indianapolis. Viele Events finden aber auch in Asien, Australien und im Nahen Osten statt.

Die Teams bei LIV Golf

Am deutlichsten unterscheidet sich LIV durch die Teamwertung vom normalen Profigolf. Jedes Team hat einen Kapitän und vier Spieler, und die Ergebnisse der Spieler fließen gleichzeitig in die Teamwertung ein.

In der Saison 2026 treten 13 Teams an: 4Aces GC, Cleeks GC, Crushers GC, Fireballs GC, HyFlyers GC, Korean Golf Club, Legion XIII, Majesticks GC, OKGC, RangeGoats GC, Ripper GC, Southern Guards GC und Torque GC. Bekannte Gesichter sind etwa Jon Rahm bei Legion XIII, Bryson DeChambeau bei den Crushers, Phil Mickelson bei den HyFlyers, Dustin Johnson bei den 4Aces und Martin Kaymer bei den Cleeks.

Am Ende der Saison steht eine Team Championship, bei der es um die Teamwertung geht. Für viele Spieler ist gerade dieser Teamgedanke ein Argument für LIV, weil Golf sonst fast immer ein Einzelsport ist.

Im Kleinen kennst du das vielleicht aus Mannschaftsturnieren im Club. Plötzlich spielt man anders, weil der eigene Score auch für andere zählt. Wenn du nach solchen Turnieren notierst, wie du unter Druck gespielt hast, lernst du viel über dein eigenes Spiel.

Welche Stars spielen oder spielten bei LIV Golf?

LIV Golf hat seit 2022 eine ganze Reihe bekannter Spieler verpflichtet. Jon Rahm gewann 2023 das Masters und wechselte Ende 2023 zu LIV. Bryson DeChambeau gewann 2024 als LIV-Spieler die US Open, und Brooks Koepka holte 2023 als LIV-Spieler die PGA Championship. Koepka gehörte lange zu den bekanntesten Spielern der Liga.

Phil Mickelson war einer der ersten großen Namen bei LIV, dazu kam Dustin Johnson, der 2020 das Masters gewonnen hatte. Tyrrell Hatton spielte trotz LIV 2025 im europäischen Ryder-Cup-Team. Für deutsche Fans ist Martin Kaymer der bekannteste Spieler bei LIV.

LIV-Spieler dürfen außerdem weiter bei den Majors mitspielen, wenn sie sich dafür qualifizieren. Die Siege von Koepka und DeChambeau haben gezeigt, dass sie dort mithalten können. Auch beim Ryder Cup dürfen LIV-Spieler antreten, solange sie die Bedingungen ihrer Tour erfüllen. Das haben Rahm und Hatton 2025 gezeigt.

LIV Golf und die Weltrangliste

Lange war die Weltrangliste der größte Streitpunkt. LIV-Turniere bekamen über Jahre keine Weltranglistenpunkte. Dadurch rutschten viele LIV-Spieler in der Rangliste ab, obwohl sie bei den Majors weiter vorne mitspielten.

Zur Saison 2026 hat sich das geändert. Die OWGR vergibt seitdem auch bei LIV-Turnieren Punkte, allerdings nur an die besten zehn Spieler eines Turniers. Auf den anderen Touren bekommt jeder Punkte, der den Cut schafft. LIV hat diese Lösung deutlich kritisiert, weil sie die eigenen Spieler weiterhin benachteiligt.

Wie die Weltrangliste genau funktioniert und warum sie so wichtig ist, habe ich in meinem Artikel über die Golf-Weltrangliste erklärt.

Insolvenz 2026: Was ist bei LIV Golf passiert?

Im September 2026 hat LIV Golf in den USA ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 beantragt. Bei diesem Verfahren arbeitet ein Unternehmen weiter, während es seine Finanzen neu ordnet. Es bedeutet also nicht automatisch das Ende, sondern einen geordneten Umbau unter Gerichtsaufsicht.

Ausgelöst wurde der Schritt durch den angekündigten Ausstieg des PIF nach der Saison 2026. Ohne den Staatsfonds fehlte der Liga der Geldgeber, der den teuren Betrieb über Jahre getragen hatte. Laut Berichten schuldete LIV zu diesem Zeitpunkt auch Spielern noch Geld.

Geplant ist eine Restrukturierung mit dem Finanzinvestor BC Partners, der eine Finanzierung von 300 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt hat. Ungewöhnlich ist vor allem, dass nach dem Plan die Spieler künftig die Mehrheit an der Liga besitzen sollen. Damit das so kommt, muss das Gericht dem Plan noch zustimmen.

LIV Golf ist also nicht einfach verschwunden, steht aber vor einem kompletten Umbau. Wie die Liga ab 2027 aussieht, mit welchen Spielern und welchem Format, ist Stand Oktober 2026 noch offen.

Was bedeutet die Lage für die PGA Tour?

Parallel zu LIV laufen seit 2023 Gespräche zwischen der PGA Tour und dem PIF. Damals hatten beide überraschend eine Rahmenvereinbarung angekündigt, eine endgültige Einigung gab es aber lange nicht.

Mit dem Ausstieg des PIF bei LIV und der Restrukturierung der Liga hat sich die Ausgangslage noch einmal verändert. Ob es am Ende eine gemeinsame Lösung für den Profigolf gibt, ob LIV als spielergeführte Liga weitermacht oder ob Spieler zurück auf die anderen Touren wechseln, lässt sich derzeit nicht sicher sagen.

Wenn du die Entwicklung verfolgen willst, lohnt sich auch ein Blick auf die PGA Tour selbst. Mehr dazu findest du in meinem Artikel über die PGA Tour.

Für Hobbygolfer zeigt die ganze Debatte vor allem, wie viel Geld im Profigolf steckt. Für das eigene Spiel zählen ganz andere Dinge, nämlich Routine, Training und Geduld. Wenn du deine Fortschritte über eine Saison festhältst, siehst du oft mehr Entwicklung, als du selbst erwartet hättest.

Warum ist LIV Golf umstritten?

Die Kritik an LIV hat mehrere Ebenen, und es lohnt sich, sie auseinanderzuhalten.

Der wichtigste Kritikpunkt war die Finanzierung durch den saudischen Staatsfonds. Menschenrechtsorganisationen warfen der Liga vor, das Image des Landes aufzupolieren.

Dazu kam die Spaltung des Profigolfs. Durch LIV spielten die besten Golfer der Welt nur noch bei den Majors gegeneinander, und viele Fans fanden das schade, weil die großen Duelle seltener wurden.

Auch das Format wurde kritisiert. Kleine Felder ohne Cut und mit garantiertem Geld empfanden manche als Widerspruch zum Leistungsprinzip im Golf, während andere genau das modern und unterhaltsam fanden.

Schließlich standen die Spieler selbst in der Kritik, weil sie die PGA Tour für sehr viel Geld verlassen haben. Sie verwiesen dagegen oft auf mehr Freiheit, weniger Turniere und die Teamidee.

So verfolgst du ein LIV-Golf-Turnier

Wenn du dir ein LIV-Turnier anschauen willst, ist der Ablauf etwas anders als bei normalen Turnieren. Schau dir am besten vorher an, welche Spieler in welchem Team spielen und wer als Wildcard dabei ist, dann verstehst du die Teamwertung leichter.

Weil alle Spieler per Kanonenstart gleichzeitig beginnen, startet auch die Übertragung mit allen Gruppen auf einmal. Über 72 Löcher wird dann wie bei jedem Zählspiel der Einzelsieger ermittelt. Parallel werden die Ergebnisse der Teamspieler zusammengezählt, und oft ist das Teamrennen bis zum Schluss offen. Achte am Ende auch darauf, welche Spieler in die Top 10 kommen, denn nur sie bekommen seit 2026 Weltranglistenpunkte.

Häufige Irrtümer über LIV Golf

Viele glauben, LIV-Spieler seien von den Majors ausgeschlossen. Sie können dort aber starten, wenn sie die Kriterien erfüllen, und haben sogar Titel geholt. Genauso wenig stimmt es, dass LIV-Spieler nicht im Ryder Cup spielen dürfen. Jon Rahm und Tyrrell Hatton waren 2025 im europäischen Team, maßgeblich sind die Bedingungen der jeweiligen Tour.

Auch die Insolvenz bedeutet nicht das sofortige Aus. Ein Verfahren nach Chapter 11 ist ein Umbau unter Gerichtsaufsicht, bei dem die Liga weiterarbeitet, und geplant ist eine neue Eigentümerstruktur.

Bei der Weltrangliste und dem Format sind viele Infos im Netz inzwischen veraltet. LIV-Turniere zählen seit 2026 sehr wohl für die Weltrangliste, wenn auch nur für die besten zehn eines Turniers. Und gespielt wird nicht mehr über 54 Löcher. Das stimmte bis 2025, seit 2026 gehen auch die LIV-Turniere über 72 Löcher.

Ob Profi oder Hobbygolfer, am Ende zählt, wie konstant man spielt. Gerade wenn du dir für die nächste Saison etwas vornimmst, hilft es, deine Ziele und Fortschritte aufzuschreiben, statt dich nur auf dein Gefühl zu verlassen.

Häufig gestellte Fragen zu LIV Golf

Was verdient Martin Kaymer bei LIV Golf?

Wie viel Martin Kaymer genau bei LIV verdient, ist nicht öffentlich bekannt, weil die Verträge der Spieler nicht veröffentlicht werden. Bekannt ist, dass LIV vielen Spielern hohe Antrittsgelder gezahlt hat und die Preisgelder pro Turnier deutlich über denen der meisten anderen Turniere liegen.

Ist LIV Golf pleite?

LIV Golf hat im September 2026 ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 in den USA beantragt. Das ist eine geordnete Restrukturierung, bei der die Liga weiterarbeitet. Geplant ist eine Finanzierung durch BC Partners und eine neue Eigentümerstruktur, in der die Spieler die Mehrheit besitzen. Das Gericht muss noch zustimmen.

Wird LIV Golf aufgelöst?

Stand Oktober 2026 wird LIV Golf nicht aufgelöst, sondern umgebaut. Die Liga soll nach dem Plan künftig mehrheitlich den Spielern gehören, mit BC Partners als Geldgeber. Wie die Liga ab 2027 genau aussieht, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab.

Bekommen LIV-Spieler Weltranglistenpunkte?

Ja, seit der Saison 2026 vergibt die offizielle Weltrangliste auch bei LIV-Turnieren Punkte. Allerdings bekommen nur die besten zehn Spieler eines Turniers Punkte, während auf anderen Touren alle Spieler punkten, die den Cut schaffen.

Fazit

LIV Golf hat den Profigolf seit 2022 gründlich verändert. Mit Geld aus Saudi-Arabien holte die Liga Stars wie Jon Rahm und Bryson DeChambeau, führte Teams, Kanonenstarts und Turniere ohne Cut ein und spaltete damit die Golfwelt.

2026 ist ein Wendepunkt. Das Format geht auf 72 Löcher, es gibt erstmals Weltranglistenpunkte, und gleichzeitig steht die Liga nach dem Ausstieg des PIF in einem Insolvenzverfahren mit dem Ziel, künftig den Spielern zu gehören.

Ich würde dir empfehlen, die Entwicklung in den nächsten Monaten im Blick zu behalten. Wie es mit LIV weitergeht, entscheidet mit darüber, wie der Profigolf in den kommenden Jahren aussieht.

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Alexander Weber

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