Golf-Etikette: Die wichtigsten Regeln auf dem Golfplatz

Alexander Weber··8 Min Lesezeit
Golf-Etikette: Die wichtigsten Regeln auf dem Golfplatz

Als ich mit Golf begonnen habe, hatte ich Sorge, dass ich mir alle Etiketten merken kann. Besonders, als ich mich an meine Platzreife-Prüfung erinnere, weiß ich noch, wie viel ich lernen und verstehen musste, um diese Prüfung zu bestehen.

Eigentlich sind die meisten Regeln ziemlich offensichtlich, wenn man oft auf dem Platz war oder sich die Spieler angesehen hat. Die Etikette ist die Voraussetzung für das reibungslose Spiel auf dem Platz. Ohne bestimmte Regeln würde es zu Stau und Chaos auf dem Platz kommen, oder schlimmstenfalls zu Sach- und Personenschäden.

Was ist Golf-Etikette?

Golf-Etikette sind Verhaltensregeln für den Umgang und das Spielen auf dem Golfplatz und der Driving Range. Sie werden bei der Platzreifeprüfung abgefragt und müssen auf dem Platz immer eingehalten werden.

Offiziell heißt die Etikette seit der Regelreform 2019 im Regelbuch übrigens nicht mehr "Etikette", sondern Regel 1.2, die "Standards für das Verhalten von Spielern". Inhaltlich hat sich dadurch nichts geändert, nur der Name.

Wir schauen uns im Folgenden die wichtigsten Regeln auf dem Golfplatz an, welche auch Golf-Etikette genannt werden.

Die wichtigsten Regeln der Golf-Etikette

  • Ruhe: Jeder Spieler sollte, während er sich auf seinen Schlag vorbereitet, in Ruhe gelassen werden. Für seine volle Konzentration sollte niemand Geräusche machen oder sich viel bewegen.
  • Vorlassen: Wenn eine Gruppe von Spielern (auch Flight genannt) schneller mit ihren Löchern fertig ist und immer auf eure Gruppe warten muss, um das nächste Loch zu spielen, ist es üblich, diese Gruppe vorzulassen, um Staus zu vermeiden. Wenn Leute aus deinem Flight noch einen Ball suchen, lasst auch den nächsten Flight durch, um den Spielern etwas Zeit zu geben, den Ball zu suchen, und keinen Stau zu verursachen. Dies gilt allerdings nicht, wenn bereits ein Stau entstanden ist und ihr auch schneller als der Flight vor euch seid.
  • Vorausschauend Schlagen: Wenn zwei Flights zur gleichen Zeit auf einem Loch spielen, wird vom hinteren Flight erst weitergespielt, wenn man den vorderen Flight nicht mehr mit seinen Bällen treffen könnte, sie also außer Reichweite der Schläge sind.
  • Warnungen: Wenn du einen Golfball mit einer hohen Geschwindigkeit über die Grenzen eines Lochs schlägst, musst du den Warnruf »Fore« geben, welcher den Golfern signalisiert, ihre Köpfe zu schützen.
  • Divots: Wenn du Grasteile auf dem Fairway herausschlägst (Divots genannt), musst du diese nach deinem Schlag wieder einsetzen. So hat der Rasen die Möglichkeit, sich davon wieder zu erholen.
  • Bunkerharke: Spieler, die ihren Ball im Bunker versenkt haben und nun in den Bunker steigen müssen, tragen dafür Sorge, diesen Bunker im Nachhinein mit der Bunkerharke wieder ordentlich zu hinterlassen.
  • Schnelligkeit: Beweg dich immer zügig zu deinem Golfball, nachdem du geschlagen hast. Hab immer direkt alles bereit, um weiterzugehen. Schnell auf dem Platz, langsam und ruhig am Ball. Für die Suche nach einem verlorenen Ball bleiben dir laut Regelwerk maximal drei Minuten, danach gilt er als verloren. Du darfst selbstverständlich nur immer so weit laufen, dass du nicht in Gefahr durch Bälle deiner Mitspieler bist.
  • Bag platzieren: Wenn du auf dem Grün bist, um zu putten, stelle dein Bag schon so hin, dass es auf dem Weg zum nächsten Loch liegt. So sparst du viel Zeit. Dies gilt auch, wenn du noch ein Wedge und den Putter verwendest. Hierbei nimmst du beide Schläger mit, gehst aber nicht mehr zum Bag, bis du fertig bist. Dabei dürfen nur Leute, die ihr Bag auf dem Rücken tragen, das Green direkt überqueren, Leute, die das Bag rollen, müssen außen herumgehen.
  • Putten: Es ist untersagt, in die Puttlinie eines deiner Mitspieler zu treten. Wenn dein Ball in seiner Linie ist oder Gefahr läuft, von einem Ball getroffen zu werden, nimm ihn lieber auf und hinterlasse eine Markierung.
  • Einschlaglöcher: Einschlaglöcher durch Golfbälle müssen mit einer Pitchgabel ausgebessert werden.
  • Fahnenstange: Steck die Fahnenstange nach dem Putten wieder vorsichtig ins Loch zurück, ohne dabei den Lochrand zu beschädigen.
  • Scorekarten: Scorekarten werden nicht am Ende des Lochs, sondern am Anfang des nächsten Lochs ausgefüllt, um nicht im Weg zu stehen, falls ein weiterer Flight schon hinter einem ist.
  • Telefone: Es werden auf dem Platz keine Gespräche über das Telefon geführt, und das Telefon wird nicht rausgeholt. Es wird auf Stumm geschaltet, oder am besten auch noch die Vibration ausgeschaltet. Das Einzige, was ihr nutzen könnt, sind Smartwatches mit Golf-Apps, welche über GPS die Länge bis zum Loch oder Grün berechnen und anzeigen.
  • Ehrlichkeit: Die wichtigste Regel von allen ist wahrscheinlich die Ehrlichkeit. Golf lebt davon, dass jeder seine eigenen Schläge selbst zählt und Strafschläge auch dann angibt, wenn ihn niemand beobachtet hat.

Viele dieser Regeln sind insofern selbsterklärend, wenn man daran denkt: Hinterlasse den Platz genauso, wie du ihn vorgefunden hast.

Übrigens: Welche dieser Regeln Golfer am häufigsten brechen, teilweise ganz unbewusst, liest du in meinem Artikel über die am häufigsten gebrochenen Etikette-Regeln, dort gehe ich unter anderem auch auf Schatten und Sonnenstand beim Schlag der Mitspieler ein.

Was passiert, wenn du gegen die Etikette verstößt?

Die Etikette ist kein festgeschriebenes Regelwerk mit einem Strafschlag für jeden einzelnen Punkt, trotzdem bleiben Verstöße nicht ohne Folgen. Bei groben oder wiederholten Verstößen kann ein Spieler laut Regel 1.2 mit einem oder sogar zwei Strafschlägen belegt werden. Bei Turniergolf drohen "Wiederholungstätern" sogar die Disqualifikation. Bei einer privaten Runde kann es sogar noch unangenehmer werden: Mitspieler, die sich wiederholt daneben benehmen, werden schlicht nicht mehr zum nächsten Flight eingeladen. Mehr zu Strafschlägen im Allgemeinen liest du in meinem Artikel über Strafschläge im Golf.

Kleiderordnung – Dress-Code

Auf den meisten Golfplätzen in Deutschland gibt es einen klaren Dress-Code.

Für Männer gilt:

Es muss ein Hemd oder ein Shirt getragen werden, welches einen Kragen besitzt. Jacken können bei kaltem Wetter selbstverständlich darüber getragen werden.

Jeans sind für alle Erwachsenen nicht gestattet. Gefärbte Jeans kann man auf manchen Plätzen tragen (Weiß, Schwarz etc.). Bei Jugendlichen wird bei Jeans das ein oder andere Mal ein Auge zugedrückt, es wird im Generellen aber nicht gerne gesehen.

Für Frauen gilt:

Es muss ein Oberteil getragen werden, welches mindestens über die Schultern geht (keine schulterfreien Oberteile). Shorts sollten bei den Damen minimal bis zu den Knien gehen.

Auch bei den Damen gilt die gleiche Regelung, was Jeans angeht.

Es gibt Clubs in Deutschland, die eigene Dresscodes haben, deswegen ist es immer ratsam, auf deren Webseite zu schauen, ob es vom Standard abweicht. Mit diesen Kleiderregeln könnt ihr allerdings in den meisten Fällen rechnen. Wenn du es genauer wissen willst, zum Beispiel was bei Regen oder im Winter gilt, findest du alle Details in meinem Artikel zum Golf-Dresscode.

Weiteres:

Es zählt zwar nicht zur Golf-Etikette, aber du solltest immer vollkommen ausgestattet für ein Spiel sein. Das heißt genug Golfbälle, Tees usw. Mehr dazu gibt es in meinem Artikel über Golf-Equipment. Es ist nicht nur für deine mentale Verfassung wichtig, dass du genug Bälle dabei hast, sondern auch für deine Möglichkeit, an dem Spiel teilzunehmen. Mit wenig Bällen wirst du unkonzentrierter, da du Sorgen haben könntest, alle zu verspielen, und ohne Bälle kannst du dein Spiel nicht fortsetzen.

Häufig gestellte Fragen zur Golf-Etikette

Was ist die wichtigste Regel der Golf-Etikette?

Rücksicht auf deine Mitspieler und den Platz. Konkret heißt das: Ruhe während des Schlags anderer, ein zügiges Spieltempo und den Platz so hinterlassen, wie du ihn vorgefunden hast.

Muss ich mich auch bei einer privaten Runde an die Etikette halten?

Ja. Die Etikette gilt unabhängig davon, ob du im Turnier oder in einer lockeren Feierabendrunde spielst. Bei Privatrunden gibt es zwar keine Strafschläge, aber wiederholte Verstöße kommen bei Mitspielern trotzdem nicht gut an.

Wie rufe ich "Fore" richtig?

Laut und deutlich, sobald du merkst, dass dein Ball in Richtung anderer Spieler fliegt. Warte nicht ab, ob der Ball wirklich trifft, lieber einmal zu oft "Fore" rufen als einmal zu wenig.

Wird die Etikette bei der Platzreifeprüfung abgefragt?

Ja, die Etikette gehört zum theoretischen Teil jeder Platzreifeprüfung. Mit der Liste oben bist du dafür schon gut gerüstet.

Fazit

Golf-Etikette klingt nach vielen Regeln auf einmal, ist im Grunde aber nur gesunder Menschenverstand: Rücksicht nehmen, den Platz pflegen und zügig spielen. Wenn du die wichtigsten Punkte einmal verinnerlicht hast, läuft das meiste automatisch, und du wirst schnell merken, dass ein Flight mit guter Etikette einfach mehr Spaß macht.

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Alexander Weber
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Alexander Weber

Golfer aus Leidenschaft und Autor von Golfforscher. Schreibt über Schwung, kurzes Spiel, Ausrüstung und Regeln - einfach und verständlich, ohne Fachchinesisch.

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